Gestatten? Karduum ma Aárif

  • Einen wundervollen Tag wünsche ich euch!

    Mein Name ist Karduum ma Aárif.

    Nun es ist EIN Name. Meine Eltern gaben mir wohl einen anderen, ähnlich nichtssagenden, unnützen Namen.


    Namen sind nur für jene wichtig, welche erkannt werden wollen.

    Ich möchte das in aller Regel nicht.

    Zumindest nicht von Jedermann, und ganz sicher nicht von euch, Fremder.

    Wie könnte ich wollen dass ihr euch an mich erinnert? Oder an das Geld welches ihr eben noch hattet, bevor ihr es mir für eine Handvoll Tand gegeben habt?

    Oder soll mich der Ehemann erkennen, dem ich eben ein prachtvolles Geweih aufgesetzt habe?


    Mit Sicherheit nicht!

    Denn ich bin, wie man es halt so sagt, ein Lebenskünstler.

    Ich beherrsche manches leidlich, einiges so la la und weniges sehr gut.

    Das eine oder andere Handwerk machte ich mir zu eigen, doch kaum so weit dass man mich auch nur Geselle nennen könnte.

    Nur eben soweit, wie es mir nutzte, soweit ich es brauchte.

    Sehr gut beherrsche ich die Kunst von Lug und Trug, wobei ich kein primitiver Dieb bin.

    Nennt mich einen Distributor monetären Ungleichgewichts zwischen euch und mir, ihr habt viel, ich habe wenig.

    Und da die Natur bestrebt ist, ein Gleichgewicht her zu stellen, sorge ich für eben jenes.


    Ebenso halte ich es mit den Damen, wenn ein Ungleichgewicht zwischen weiblicher Libido und Leistungsbereitschaft des Ehemannes besteht.

    Auf absolute Diskretion kann sich die Dame hierbei verlassen.

    Nun ja, auch hier gibt es Ausnahmen.


    Eine solche Ausnahme führte zu meinem derzeitigen, desaströsen Zustand:

    Leider hatte der Ehemann zweifach Unglück.

    Einmal beim Würfeln, was zu einem verfrühten Ende seines feuchtfröhlichen Zechens führte.

    Dies wiederum führte zu zweitens, dem verfrühten und somit keineswegs climaktischen Ende meines Schäferstündchens.

    Letzteres tat mir sowohl für die Dame leid, denn ich sehe mich in Liebesdingen als Dienstleister und hinterlasse meine Kundschaft ungern unbefriedigt.

    Als auch für mich, denn besagter Ehemann reagierte äußerst brüsk und gewalttätig.

    So fand ich mich alsbald in der Karawane eines Sklavenhändlers wieder.


    Doch dies Schicksal dauerte kaum lange, denn wie sich herausstellte war der Sklavenhändler zwar sehr talentiert die besten Sklaven zu finden, doch mit Mathematik und Zinsen

    stand er auf Kriegsfuß.

    Kaum drei Wochen und ich war sein persönlicher Advokat und Prokurist.


    Wie ich meinen Weg ans Kreuz fand?


    Nun, ich erledigte meine Geschäfte für den Sklavenhändler gewissenhaft und zu unser beider Nutzen.

    Er mag jedoch der Meinung gewesen sein, dass mein Nutzen etwas größer war als seiner.

    Wer hätte auch ahnen können, dass dieser von Kamelflöhen zerfressene, Betelnuß kauende Sohn einer läufigen Hündin doch so gut addieren konnte.


    So hing ich alsbald in der Sonne und am Kreuze.

    Aber auch hier war das Glück mir hold.

    Ein Fremder schnitt mich vom Kreuz und gab mir einen Wasserbeutel.

    Ich habe in meinem Leben schon mit weniger neu begonnen, also spare ich mir das Jammern.

    Ein klein Häuslein am Fluß nenne ich schon wieder mein eigen und ich leide weder Hunger, noch Durst.


    Gebt mir ein wenig Zeit und ich werde mein Glück finden. Und wenn es sich zu gut versteckt, dann mache ich es eben.


    Ich bin Karduum ma Aárif, euch zu Diensten, mir zu Nutzen!

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Oh welch ein Tag!


    Ich traf heute am Fluß eine Kriegerin, hübsch anzusehen fürwahr.

    Sie sah meine wenig fruchtbaren Bemühungen mit steinernem Werkzeug zu arbeiten und bot mir netterweise an, mir besseres Werkzeug zur Verfügung zu stellen.

    Ich musste sie dazu zu ihrem Heim begleiten.


    Zuerst vermutete ich amuröse Hintergedanken, doch war es bei Ansicht der Dame keineswegs unangenehm.

    Ergo folgte ich ihr.

    Und ihr Götter, wie sehr lag ich daneben!

    Ihr Heim entpuppte sich als wahrhaft beeindruckende Festung mit dutzenden Schützen auf den Zinnen.

    Im Inneren exerzierten Krieger, welche nicht den Anschein billiger Söldner erweckten, so wenig wie ihre erstklassige Ausrüstung.

    Die Dame übergab mir Werk- und Rüstzeug aus erstklassigem Stahl, Dinge die ich mir noch für lange Zeit nicht hätte leisten können.

    Wir schlossen einen Handel über die Lieferung verschiedener Rohmaterialien ab und ich machte mich auf den Heimweg.


    Auf dem Weg wurde mir mehreres klar:

    Zum einen war ich wahrhaft vom Glück geküßt, eine solch edle Gönnerin gefunden zu haben.

    Zum anderen wurde mir klar, dass ich meinen Aufstieg sehr vorsichtig würde angehen müssen.

    Solch mächtige Clans bedeuten wundervolle geschäftliche Möglichkeiten, aber auch den schnellen Tod.


    Wenig später traf ich auf einige Männer, welche sich weit im Osten niederlassen wollten um Handel zu treiben.

    Das war meine Gelegenheit!

    Ein kleines unscheinbares Dorf, wo ich mich als Schmied verdingen werde.

    Nebenbei werde ich den einen oder anderen Handel einfädeln, stets darauf bedacht, nur ja niemanden zu verärgern oder zu bestehlen.

    Man muss den Weg zum Glück langsam beschreiten, den er ist voller Stolpersteine.

    Und in diesen Landen sind links und rechts des Weges tiefe Schluchten.


    Besser ich verhalte mich unauffällig, knüpfe Beziehungen und baue langsam auf was später der Ausgang für größere und lohnendere Geschäfte sein wird.



    Und noch eine Dame traf ich.

    Leider war ich gerade bei der Arbeit und meine künftigen Kameraden sahen mit Unwillen mein angeregtes Gespräch,

    während sie Steine schlugen und Holzbalken geschlagen haben.

    Doch schwöre ich euch, es war mir egal.

    Nie zuvor sah ich solch Augen. Glänzend wie die Smaragde an König Conans Krone, leuchtend wie ein Feuer in kalter Nacht.

    Und als sie das Tuch abnahm, welches sie vor dem Staub der Reise schützte, blickte ich in das Angesicht eines wilden Traumes.

    Es mag an den Monaten der erzwungenen Enthaltsamkeit liegen, doch für meine Gedanken wäre ich in mindestens 5 Ländern wieder ans Kreuz geschlagen worden!


    Sie stellte sich als Priesterin auf der Suche nach Lotus und anderen Kräutern vor.

    Ich beeilte mich ihr zu versichern, dass ich sie gerne und reichlich beliefern könnte.

    So einigten wir uns darauf, das ich die Kräuter liefere und dafür ein Viertel des Ertrages in Tränken bekomme.

    Ein schwacher Preis, ich weiß. Doch wer weiß ob nicht am Ende mein Lohn unvergleichlich höher sein wird.



    Zwei Fragen beschäftigen mich jetzt:

    Wie zum Geier sieht gelber Lotus aus?

    Und wo in aller Welt wächst das Zeug?

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Ihr Götter habt erbarmen!


    Ich spüre kaum meine Hände!

    Den ganzen Tag Steine schleppen und Holz schlagen, nicht gerade meine Vorstellung eines erfüllten Tages.

    Meine Kameraden scheinen da anderer Meinung zu sein. Sie betrachten stolz ihr Werk und gehen zufrieden ins Bett.


    Die haben ja eins!

    Ich dagegen schlafe immer noch auf einer elend harten Bastmatte und decke mich mit Tierfellen zu.

    Kein Vergleich zu seidener Bettwäsche und weichen, mit Daunen gefüllten Kissen und Decken aus weichster Schurwolle...

    Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.


    Ich habe meine Schmiede gebaut.

    Ich!

    Selbst!

    Ein wenig bin ich beeindruckt von meiner eigenen Leistung, obschon ich mich wohl alles andere als geschickt angestellt habe.

    Allein das setzen der tragenden Säulen unter Wasser war eine Qual.

    Pfahlbauten haben unschätzbare Vorteile, leichte Bauweise gehört aber definitiv nicht dazu.

    Ich brauchte fast den ganzen Tag für vier einfache Säulen und noch einen Tag bis die Grundfläche der Schmiede begehbar war.

    Die Ambosse und Öfen sind schwer, darum musste ich doppelt massiv bauen.


    Mittlerweilen steht die Schmiede.

    Ich hatte mich ob der Arbeit entschlossen auf ein Wohnhaus zu verzichten und einfach überhalb der Schmiede unterm Dach zu wohnen.

    Da ist es nachts schön warm von den Öfen, was in den kalten Wüstennächten ganz angenehm ist.

    Leider ist es etwas rustikal geraten. Nichts um eine Dame zu umgarnen und zu verführen.

    Zumindest nicht die Art von Dame nach der mir der Sinn steht. Eine grobschlächtige Bäuerin mit Händen wie Abortdeckel mag mit so

    einer Behausung vielleicht zufrieden sein. Aber solche Weiber machen mir ein wenig Angst.

    Die packen zu als wollten sie eine Kuh melken, keine Spur von Sanftheit oder gar liebender Zärtlichkeit.


    Die Schmiede selbst läuft wie geschmiert. Die Öfen funktionieren zu meiner Erleichterung sehr gut.

    Ich war mir nicht mehr ganz sicher wie die optimale Bauweise aussieht, aber scheinbar habe ich es einigermaßen getroffen.

    Erste Schmiedestücke sind mir mißraten, zu lange ist es her das ich mit Metall gearbeitet habe.

    Aber den Göttern sei Dank werden hier im Moment nur grobe Verstärkungen und Werkzeuge gebraucht.

    Dazu reicht mein Geschick gerade noch. Und mit der Zeit werden die alten Fähigkeiten schon zurück kommen.

    Mein Meister sagte einst ich sei ein sehr begabter Schmied der es sicher zu einem Meisterschmied bringen würde.

    Er hatte keine Ahnung das ich zu diesem Zeitpunkt schon meine Weiterreise geplant hatte.

    Ich tauge nicht zu harter körperlicher Arbeit. Zumindest nicht über längere Zeiträume.

    Und Ehrgeiz habe ich sicherlich nicht in dieser Richtung.


    Warum auch hart arbeiten, wenn man den Leuten mit einem geschickten Handel alles aus dem Kreuz leiern kann?

    Und meist sind sie dann auch noch überzeugt sie hätten mich übers Ohr gehauen.

    Einmal habe ich einem Bauerntölpel ein fast totes Pferd verkauft.

    Das Fell habe ich mit Asche und etwas Öl schön dunkel glänzend gestriegelt und die Zähne der Mähre mit allerlei Geschick und etwas Gips "verjüngt".

    Ein wenig scharfer Pfeffer rektal appliziert sorgte für lebendiges und energiegeladenes tänzeln am Zügel.

    Er dachte er hätte den schärfsten Hengst für einen Spottpreis gekauft.

    Zumindest eine halbe Stunde lang, denn dann kam der Regen.

    Und meine eilige Abreise...


    Hach, alte Zeiten.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Seit gestern werde ich morgens von Glocken geweckt.

    Und das zu einer Zeit, zu der jeder normale Mensch schläft.

    Dankenswerter Weise schläfern mich die Jünger des Set dann mit ihren stumpfen, eintönigen Gesängen schnell wieder ein.


    Ja, es ist ein Tempel entstanden, genau neben meiner Schmiede.

    Schaue ich in meiner Kammer aus dem Fenster, dann sehe ich quasi einer Schlange ins Auge.

    Nun, als ich meinem Vater davongelaufen bin, habe ich vieles, um nicht zu sagen das Meiste, zurückgelassen.

    Zu den wenigen Dingen die ich bewahrt habe, gehört mein Glaube.

    Und an welchen Gott sollte der Sohn eines Schmiedes glauben, wenn nicht an Chrom, den Gott des Stahls?

    Auch wenn Chrom Gebete und Rituale nicht mag, so hat ein Schmied doch ein besonderes Verhältnis zu ihm, denn wir unterwerfen den heiligen Stahl unserem Willen,

    zwingen ihn durch kraftvolle, aber präzise Schläge in die gewünschte Form.


    Das behagt mir so, weil ich es mit dem Glück ähnlich halte.

    Nicht umsonst sagt man "Ein jeder ist seines Glückes Schmied".

    Auch das Glück will unterworfen und gezwungen werden.

    Bei einem Gott um Glück und Gunst betteln, das ist für die Schwachen und Zögerlichen, die dann die Schuld bei ihrem Gott suchen, wenn es ihnen versagt bleibt.


    Und die Rituale!

    Gelobt sei Chrom, der auf derartiges verzichtet.

    Es sei mir verziehen, aber mir scheint, manchen Göttern steht er nur, wenn man ihnen kübelweise Blut und Innereien über ihre Altäre kippt.

    Man möge mich hier nicht falsch verstehen, ich habe rein gar nichts gegen solche Rituale, solange ich nicht beteiligt bin.

    Und so ein kleiner Fetisch ist ja auch nicht zu verachten. "Jedem Tierchen sein Pläsierchen", wie der Dichter sagt.

    Aber wenn ich persönlich nach heißer Liebesnacht mit der Dame in ein kühlendes Bad steige, dann um in zärtlicher Vollendung den durch Wollust vergossenen

    Schweiß gegenseitig von den erhitzten Körpern zu waschen.

    Und nicht als unbedingtes Muss, weil ich mich ansonsten ununterbrochen übergeben müßte, stinkend nach Blut und Pis.....LASSEN WIR DAS!

    Da vergeht selbst mir die Lust.


    Ihr findet ich schweife allzu oft in das Frivole ab?


    Nun, wer auch immer ihr seid, der diese Zeilen gefunden hat und sie nun liest, lasst mich euch eines sagen:


    Ihr seid ein elender Heuchler!

    Derlei Gedanken sind euch ebenso wenig fremd wie die Sache selbst, und die genießt ihr ebenso häufig wie ihr nur könnt.

    Ihr wagt es nur nicht aus zu sprechen was ihr euch in geheimsten Gedanken wünscht und genießt lieber in gespielter Empörung die Gedanken, welche ich euch in euer Hirn pflanze.

    Und seid gewiss, ihr kennt noch nicht den Bruchteil.


    Trotzdem, der Set-Tempel neben mir stört mich kaum.

    Wohl auch weil ich die Schlange durchaus respektieren kann, ja, sie ist mir sogar sehr ähnlich:

    Sie ist weise genug nicht blind an zu greifen, sondern schätzt ab ob es sich lohnt und wie hoch das Risiko ist.

    Wenn die Gelegenheit gut ist, dann packt sie aber schnell und unbarmherzig zu.

    Und wenn sie einmal zugepackt hat, dann windet sie sich um das Opfer und lässt es erst aus, wenn sie der Beute sicher ist.

    Dieses Verhalten kann ich nachvollziehen und respektieren.


    Trotzdem schließe ich nachts meine Kammer ab.

    Denn wenn ich eines über Schlangen weiß dann dass man sich ihnen mit Vorsicht nähert...


    Ansonsten wächst und gedeiht Seebrugge.

    Besonders Dschamal scheint ein zwar stummer, aber dafür umso begabterer Handwerker zu sein, welcher geradezu unermüdlich am arbeiten ist.

    Nahezu täglich entsteht neues und ich muss eingestehen, dass mir die Schmiederei mehr und mehr Spaß macht.

    Barloran schleppt Material heran wie ein Lastkamel, Neretwar hilft ihm dabei und Crovan trägt Lasten die manchmal schon unmenschlich wirken.

    Es ist ein gutes Gefühl hier zu sein.


    Ach ja, ich habe herausgefunden was gelber Lotus ist und wofür man ihn verwenden kann.

    Meiner Treu.... Daran könnt ich mich gewöhnen.

    Barloran und Dschamal haben einige hundert Stück gesammelt.

    Leider sind die für die Priesterin reserviert, das haben mir die beiden sehr deutlich gemacht.

    Und Dschamal benutzte dazu einige anatomisch ebenso interessante wie beängstigende Gesten.

    Es ist beeindruckend wie bildhaft und deutlich der Mann sich ohne ein Wort ausdrücken kann.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Ich finde nur schwer in den Schlaf.

    Zuviel Gedanken lassen mich kaum zur Ruhe kommen.

    Gedanken welche mich teilweise erschrecken.


    Mehr als alles andere beschäftigen mich smaragdgrüne Augen in einem Gesicht für das man jeden Bildhauer wegen unrealistisch verherrlichender

    Darstellung verschmäht hätte.

    Wie faszinierend diese Augen sind, merke ich schon daran das ich mich an nichts unterhalb des Kinns erinnere, was für mich sehr untypisch ist.

    Das könnte auch daran liegen, dass sie Priesterin ist.

    Ich bin Priestern gegenüber sehr vorsichtig:

    Sie sind meist intelligente Menschen mit exzellenter Menschenkenntnis, also extrem schwer zu betrügen.

    Und dazu kommt noch eine Blutrünstigkeit, die ich schon erwähnt habe.


    Hmmm, sie sagte nichts darüber welchen Gott sie anbetet...

    Am Ende ist es Yog und SIE will MICH vernaschen...

    Welch Ironie das doch wäre, oder?

    Aber nicht der schlechteste Grabspruch:

    "Hier ruht Karduum ma Aárif. Er genoß dutzende Jungfern und wurde am Ende selbst vernascht"


    Nun, ich hoffe es ist Mitra, dann wären meine Eingeweide zumindest einigermaßen sicher.


    Was mich auch beschäftigt ist Seebrugge.

    Ich nannte nie eine Stadt oder auch nur ein Land "Heimat".

    Doch hier erwische ich mich immer öfter dabei, mit einem gewissen Stolz und tiefer innerer Zufriedenheit auf das Dorf zu blicken.

    Selbst in der Schmiede mache ich inzwischen weit mehr als das Notwendige.

    Es bereitet mir Vergnügen, den Stahl zu hämmern und zu formen und mein Geschick wächst täglich.

    Sogar Dschamals Gesten scheinen freundlicher zu werden. Aber das mag Einbildung sein.


    Ansonsten habe ich ein wenig die Nachbarschaft erkundet.

    Auf der Suche nach Eisenerz kam ich weit nach Norden und entkam mit knappster Not einem Rudel Spinnen und Steinköpfen.

    Freundlich kann man diesen Landstrich wahrhaft nicht nennen.

    Selbst unsere direkten Nachbarn sind eher Wilde, welche keine Zeit auf einen Gruß vergeuden und lieber gleich zu schlagen.

    Aber wenn man sich ihren Gepflogenheiten anpasst, kann man ihnen einiges an Erzen abnehmen.


    Mein Tag vergeht in relativer Eintönigkeit.

    Und sehr zu meinem Erstaunen kümmert es mich kaum.

    Im Gegenteil, ich genieße die Ruhe, ohne Angst vor mordlüsternen Ehemännern oder "Geschäftspartnern"


    Und nun will ich ruhen. Der Tag morgen wird viel Arbeit bringen.

    Und wer weiß, vielleichtb raffe ich mich doch noch auf und baue ein Haus in das man jemanden einladen kann.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Ihr Götter, was geschieht nur mit mir?


    Ich habe mich entschlossen, mir ein Haus zu bauen.

    Es mag durchaus sein, dass mich beim erstellen der Pläne der Wahnsinn ergriffen hat, denn es ist mächtig geraten!

    Dennoch wird es schön anzusehen sein und im Inneren viel Platz bieten um sich wohnlich einzurichten.

    Außen plane ich Balkone, um des Abends den Sonnenuntergang genießen zu können.

    Auch sonst wird es mir an nichts fehlen.

    Aber wenn ich an die Schufterei im Steinbruch denke, wird mir übel.


    Die anderen wissen noch nichts von meinen hochtrabenden Plänen und das ist gut so.

    Ich kann mir Dschamals Gesichtsausdruck lebhaft vorstellen...

    Er wird einige neue Gest3en erfinden müssen um auszudrücken was er davon hält.


    Und warum die Plackerei?

    Natürlich eines Weibes wegen!


    Gestern war sie da um ihre Lieferung Gelben Lotus zu holen.

    Und bei Chrom, meine Erinnerung hat mich betrogen!

    Ihr Antlitz ist in Natura noch blendender als in meiner Erinnerung und der Schein der Fackeln auf ihrem schwarzen Haar brachte mich um jeden verbliebenen Verstand.

    Sie ist eine Priesterin des Set, und bei Chrom, sie ist nicht auf den Mund gefallen!

    Eine süße Andeutung folgte auf die andere, doch so geschickt verpackt, dass ich nicht sicher sein kann, ob mich mein Eindruck trügt.

    Sie suchte meine Nähe, was mich zittern ließ wie einen Schuljungen!

    Dann wieder trat sie zurück und hinterließ mich in stiller Angst ich hätte sie vertrieben.

    So ging das Spiel eine gefühlte Ewigkeit, bis sie schließlich ernster wurde und mir von der Seherin berichtete.


    Ich hasse diese Seherin schon jetzt dafür das sie das Gesicht meiner Priesterin in Sorgenfalten legt!


    Sie berichtete von der Prophezeiung der Seherin, von einer Horde Untoter, welche die Lande verwüsten und alles Leben vernichten wolle.

    Dann bat sie um ein Treffen aller Dorfbewohner, um zu besprechen ob man sich mit ihrem Clan verbünden wolle um der Gefahr zu begegnen.

    Und oh Graus, da hätte ich sie fast vertrieben.

    Sie verstand es falsch als ich ihr sagte, dass wir die Clans nicht sonderlich mögen, denn sie haben einigen von uns unsägliches angetan.

    So sehr, dass Barloran und Corvan erfahren mussten, dass der Kopf ihres brutal ermordeten Freundes den Eingang zur Festung eines solchen Clans zierte.


    Die Blume der Wüste dachte ich bezichtige sie und die Ihren dieser Tat, was nie in meiner Absicht lag!

    Dennoch denke ich es wird schwer werden, die anderen zu diesem Treffen zu überreden.

    Ich hoffe ich konnte ihr verständlich machen, dass dies nicht an ihr lag!


    Nun, der Abschied war versöhnlich, darum denke ich es wird sich alles fügen.


    Mehr noch, schenkte sie mir den ersten erholsamen Schlaf seit Tagen.

    3 Tropfen ihres Trankes und ich schlief wie ein Baby und erwachte wie neu geboren.

    Frischen Mutes, mein ambitioniertes Tagwerk zu beginnen!

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Oh ihr Götter, normalerweise bitte ich euch um nichts.

    Aber möget ihr die Wege meines Freundes Barloran künftig mit Rosenblättern bestreuen, ihm die Potenz eines wilden Stieres schenken und

    ihm tausend und abertausend Freuden bescheren!


    Dieser Mann hat an einem einzigen Tag mein Leben wieder lebenswert gemacht!

    Ich war noch an den letzten Arbeiten an meinem Haus, als er auftauchte und meinte hier würden zwei wichtige Dinge fehlen.

    Dann verschwand er und kehrte kurz darauf mit zwei Sklavinnen zurück.

    Die eine eher verhuscht und ärmlich gekleidet, die andere aber ein Traum der Sinne in jeder Beziehung.

    Barloran erklärte mir, dass die eine eine ganz passable Köchin sei, die andere aber eine sehr geschickte Tänzerin, die mir nach getaner Arbeit ein

    wenig Freude und Zerstreuung bieten würde.


    Nun mag ein jeder über Sklaverei denken wie er will.

    Ich halte es so, das man den Menschen, der das eigene Mahl bereitet tunlichst anständig behandeln sollte.

    Es sei denn man steht auf den Nervenkitzel exotischer Pilzgerichte oder will künftig jede Mahlzeit vorkosten lassen.

    Ich tendiere zu ersterem und möchte sie eher als Bedienstete denn als Sklaven sehen.

    Dabei gehe ich nicht soweit sie zu bezahlen oder ihnen gar die Freiheit zu schenken, aber sie genießen in meinem Haus einige Freiheiten,

    welche für Sklaven nicht üblich sind.


    Was soll ich sagen?

    Die Köchin, ich nenne sie Hamsa, versteht ihr Handwerk.

    Ich genoß zum ersten Mal eine Mahlzeit, die den Namen auch verdiente. Hamsa zauberte aus einfachsten Zutaten einen schmackhaften Eintopf.

    Nach drei Portionen endlich war ich bereit für Soraya, meine Tänzerin.

    Ich räkelte mich auf einigen Fellen und sah ihr beim Tanze zu.

    Nicht lange und meine Gedanken waren einzig von diesem Weibe bestimmt, die vor mir mit den Hüften wackelte und mir ihre prallen Brüste

    ein ums andere Mal entgegen streckte, so dass ich nur hätte zugreifen brauchen.

    Dann zog sie sich geschickt zurück und hinterließ süßes jedoch ungestilltes Verlangen.

    Mit ihrem Geschick könnte sie ohne Zweifel ganze Heerscharen von Männern versklaven!

    Nicht zu meinem größten Bedauern war es jedoch anders herum, und ich gestehe, dass ich dies auszunutzen gedachte.

    Wer wollte es mir hier verübeln?


    Was soll ich sagen?

    Auch hier war sie eine Meisterin ihres Faches und im Gegenzug stattete ich sie mit weiteren Freiheiten aus, so zum Beispiel ein eigenes Bett.

    Obschon sie dies nicht häufig brauchen wird...


    Seebrugge selbst trägt seinen Namen nun zurecht, denn unter Dschamals unermüdlicher Arbeit erreichte der Steg das gegenüberliegende Ufer, so dass man nun trockenen

    Fußes von einer Halbinsel zur anderen gelangt.

    Die Passage steht allen frei, mögen sie es zu schätzen wissen!

    Nun, um der Wahrheit die Ehre zu geben, war es zwar Dschamal, welcher den Steg baute, jedoch trieb er uns immer wilder fuchtelnd dazu an ihm unablässig Steine und Holzbalken zu bringen.

    Ich schwöre, wir waren mehr als einmal kurz davor ihm die Arme abzuhacken.

    Doch am Ende waren wir alle stolz auf das Erreichte und gingen in die von Barloran errichtete Taverne auf einen Schlummertrunk.

    Auch hier hatte dieser Wunderknabe ganze Arbeit geleistet:

    Gemütliche Ecken zum sitzen, Tänzerinnen auf einer kleinen Bühne und eine Wirtin.

    Naja, das Spiesen- und Getränkeangebot ist noch etwas dünn, aber es wird schon noch werden.


    Schade dass wir eine reine Männergesellschaft sind, bis auf einige Sklavinnen.

    Weibliche Siedler haben sich leider noch keine hier niedergelassen.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Lang ist es her, dass ich zuletzt zum schreiben kam.


    Nachdem Seebrugge im Sturm unter ging, war die Arbeit einfach überwältigend.

    Anfangs war unsere Hoffnung am Tiefpunkt und wir waren nahe dran alles auf zu geben.

    Doch dann traf von aller Orten Hilfe ein. Sogar von jenen von denen wir es am wenigsten erwartet hatten.


    Nun steht Seebrugge fast schon wieder wie früher.

    Diesmal sind die Fundamente stärker und wir haben umsichtiger gebaut.


    Für mich persönlich war die Zeit zwar anstrengend, aber auch erfüllend.

    Ich habe die Schmiede neu erbaut und inzwischen einen Gesellen eingestellt.

    Jener macht all das Zeug was täglich anfällt, so dass ich mehr Zeit für mich habe.

    Tatsächlich habe ich begonnen einen Leuchtturm zu erbauen, damit Seebrugge schon von weitem zu erkennen ist.

    Es geht voran, aber es ist zäh so hoch zu bauen.


    Wüstenblume habe ich seit Tagen nicht gesehen, noch von ihr gehört.

    Ich hoffe sie bald zu sehen, denn der eine oder andere Handel wäre zu begehen.


    Vergebt mir, doch mir versagen die Arme.

    Morgen mehr.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Oh möge Crom diese Arbeit verfluchen! Ichspüre weder Arme noch Beine!

    Ihr könntet mir eine vestalische Jungfrau auf den Bauch binden, bei mir würde sich nichts regen.

    Die einzig rythmische Bewegung käme von meinem Brustkorb: gleichmäßige, schlafende Atemzüge...


    Wir besuchten den Sklavenmarkt der Verdammten.

    Ich hoffte inständig ein Paar beschlagene Stiefel ergattern zu können, aber vergebens.

    Dafür konnte ich mich davon überzeugen, dass dieser Pueros ein Mann mit Ideen ist.

    Innerhalb der Mauern zeigte sich eine äußerst durchdachte und trotzdem geschmackvolle Siedlung.

    Praktisch angeordnet und mit vielen Details, welche auf einen begabten Baumeister schließen lassen.

    Mein Respekt vor diesem Pueros wächst beständig.

    Ein mächtiger, aber auch gefährlicher Mann mit Visionen dessen was er erreichen will.

    Die gefährlichste Mischung die es gibt!

    Mein Tip: Er will sich hier sein eigenes Königreich errichten und sich selbst krönen.

    Nunja, warum auch nicht?

    Umso wichtiger erscheint es mir, ihn bestetig unseres Respekts zu versichern.

    Barloran und manch anderem mag das kriecherisch und falsch erscheinen, aber ich sage mir:

    "Knie bei Zeiten, dann stehst du im richtigen Moment!"

    Und es mag noch wichtig sein im richtigen Moment zu stehen...


    Sein erster Offizier und Handlanger ist ein gewisser Thanathan.

    Kämpferisch nicht zu unterschätzen, führt ein strenges Regiment bei den Sklaven und scheint in mancher

    Hinsicht genau zu wissen was er tut.

    Nur was Spionage betrifft, agiert er äußerst plump und naiv.

    Spion und Betrüger haben eines gemeinsam: Erkennt man sie, sind sie grottenschlecht in ihrem Metier!

    Ihm fehlt es an sprachlichem Geschick ebenso wie an der Finesse seine Informanten zu ködern.

    Er muss noch lernen, dass man nicht für alles einfach bezahlt, sondern sich Leute auch auf ganz andere, subtilere

    Weise gefügig machen kann.

    Nun, wie dem auch sei, ich habe in dem kurzen Gespräch einige interessante Dinge erfahren, welche mir künftig

    von großem Nutzen sein werden. Und zwei Namen, auf welche ich künftig mehr achten werde.


    Und ich entdeckte ein Badehaus!

    Ist es zu fassen?

    Ein richtiges Badehaus, mit duftenden Ölen, weichen Tüchern und Spezereien für Gaumen und Geist!

    Eine Schande nur, dass sie das gemeinsame Baden untersagen.

    Sie wissen ja nicht was ihnen damit entgeht!

    Ich verbrachte jedenfalls den Heimweg mit Plänen.

    Das Badehaus in Seebrugge kann ich dabei vergessen. Dschamal und Barloran wären da sicher wenig begeistert.

    Nein, ich brauche eine etwas intimere Lösung, ein dezenter Ort des Rückzuges.

    Mein Leuchtturm kommt da sehr gelegen.

    Nicht umsonst habe ich mich entschlossen, etwas außerhalb Seebrugges mein Heim zu errichten.

    Ich muss langsam mein altes Leben wieder auf zu nehmen.

    Und der Zeitpunkt ist günstig!

    Dabei ist es vielfach besser, einen Besucher diskret empfangen zu können, ohne die neugierigen Augen und Ohren des Dorfes.

    Um Dschamal mache ich mir dabei keine großen Sorgen. Das stumme Schlitzohr hat es faustdick hinter denselben.

    Und ich gehe davon aus, dass er mich eh längst durchschaut hat.

    Barloran hingegen ist da etwas anders. Eine ehrliche Haut mit festen Prinzipien.

    Er hätte sicherlich wenig Verständnis für manch Dinge, welche zu tun ich beabsichtige.


    Eines davon betrifft meine überaus betörende Smaragdviper.

    So faszinierend schön und doch ohne Zweifel von größter Gefährlichkeit, und allein darum schon prickelnd wie Schaumwein!

    Ihre neckischen Anmerkungen, die wie zufällig scheinenden Berührungen...

    Wer hätte gedacht das der Verführer verführt werden würde?

    Ich kann nicht umhin zu gestehen, dass sie mich in vieler Weise erregt.

    Die Sklavinnen sind wohl hübsch, aber der Akt mit ihnen ähnelt eher dem mechanischen Rammeln eines Tieres.

    Ich vermisse das lustvolle Vorspiel, das gegenseitige Verlangen und schließlich die Erfüllung wilder, ungezügelter Lust!

    Zu all dem sind Sklavinnen nicht in der Lage.

    Kaum ein Wort kann man mit ihnen wechseln, sie sehen einen ja nichtmal an!

    Ich erlaube ihnen im Haus schon so vieles, aber Barloran scheint sie gründlich und unwiderruflich gebrochen zu haben.

    Nicht gerade die wilde Gespielin welche man sich wünscht.

    Ganz anders die Smaragdviper. Intelligent, betörend und berechnend, immer wissend was sie will und was nicht.

    Eine Herausforderung an Geist und Libido, sicher nicht leicht zufrieden zu stellen, rundum ein kostbares Juwel in karger Umgebung.

    Ich verzehre mich schon jetzt nach unserem nächsten Treffen. obschon es dabei um andere Dinge gehen muss, welche wichtiger scheinen.

    Aber vielleicht hat sie es ja nicht eilig...


    Umso mehr muss ich arbeiten, damit alles rechtzeitig fertig wird.

    Und ich komme nicht umhin, den Rat und die Hilfe Shayas einzuholen.

    Frauen beweisen in solchen Dingen unfehlbaren Geschmack und Shayas Geschmack ist von exquisiter Art,

    wie man an der Schänke sehen kann.

    Den Göttern sei Dank das sie mich zu verstehen scheint und wohl auch ein kleines Geheimnis bewahren kann.

    Im Gegenzug habe ich ihr die Nutzung für eigene Zwecke zugesagt, ein Gedanke der ihr ebenso zu gefallen schien.


    Ja, die Zeiten mögen hart sein und arbeitsreich.

    Aber dennoch beginnen sie Interessant zu werden.

    Für mich jedenfalls...

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Vergangenheit:



    Tortage, Stadt der Laster, der Sünde und aller menschlichen Verderbtheit.

    Stadt der Piraten, Halsabschneider und Dirnen.

    Aber auch Ausgangspunkt manch ruhmvollen Lebens, Grundfeste soliden Reichtums und Wiege herausragender Krieger.


    Aus dem Innenhof einer Villa im besseren Viertel der Stadt, wo reiche Handwerker und Händler lebten, klang das scharfe Klatschen einer

    eingeweichten Weidenrute auf nackter, menschlicher Haut.

    Doch ein Schrei war nicht zu hören, nur ein verhaltenes Zischen zwischen zusammengepressten Kiefern, was den Vorrübergehenden

    sicherlich verwundert hätte.


    Wieder durchschnitt die Rute die Luft, zielgenau auf die Wade des etwa zehnjährigen Jungen treffend,

    welcher mit leicht gebeugten Knien vor einem grobschlächtigen, unrasierten Krieger mit mehrfach gebrochener, schiefer Nase stand.

    "Sicherer Stand, leicht in den Knien gebeugt, Oberkörper leicht nach vorn gebeugt! Wie oft muss ich es dir noch zeigen?"

    Wütend schritt Kirasch der Schinder um den Jungen herum, auf dessen Schultern sich ein Joch befand, mit Eimern an beiden Enden.

    "Warte nur, du lernst schon noch! Ich will mir nicht sagen lassen, ich hätte das Geld deines Vaters für nichts genommen!"

    Boshaft grinsend bei diesen Worten, legte der Schinder weitere Eisengewichte in die Eimer.

    "Los, noch drei Runden um den Brunnen, und vergiß nicht die Knie zu beugen!"

    Sssssiiiiip, fuhr die Rute wiederum ins Fleisch des Jungen.


    Karduum wußte beizeiten nicht, wen er mehr hassen sollte.

    Kirasch den Schinder, oder seinen Vater, den reichen Schmied und Kaufmann, welcher ersteren eingestellt hatte um

    seinen Sohn zu einem Krieger zu formen. Oft waren es beide gleichermaßen.

    Der Morgen begann mit dem ersten Sonnenlicht. Ein gutes Frühstück, ein flüchtiger Kuss seiner Mutter und dann in die Schmiede.

    Dort bediente er den schweren Blasebalg oder hielt mit stählernen Zangen die Werkstücke für seinen Vater am Ambos,

    auf dass dieser dem Stück die Vorform geben konnte.

    Um die Mittagszeit waren ihm ein oder zwei Stunden Ruhe gegönnt, während der er meist seiner Mutter half und nebenbei

    Dinge lernte, welche sein Vater verächtlich als "Weiberzeug" abtat. Karduum indes hing an den Lippen seiner Mutter und lernte

    begierig all die feinen Künste, die sie ihrerseits in gutem Hause gelernt hatte.

    Dichtkunst, höfisches Benehmen, wie man die Frauen betört und nicht zuletzt auch das Rechnen und Schreiben, dessen sein Vater bei aller

    Kunstfertigkeit nicht mächtig war.

    Karduum hatte früh durchschaut, dass der Reichtum seiner Familie zu gleichen Teilen der Kraft seines Vaters und dem Hirn seiner Mutter geschuldet war.


    Am Nachmittag folgten die Stunden bei Kirasch dem Schinder, ein wohlbekannter und weithin gefürchteter Krieger, von dem

    das Gerücht ging, er habe bereits an der Seite König Conans gekämpft.

    "Heb das Schwert aufrecht, nicht gesenkt wie bei der Axt. Es ist leicht und will tanzen wie eine Jungfrau."

    Diesmal zielte der Hieb auf seinen Oberarm, was zwar seine vernarbten Waden freute, aber Karduum dennoch innerlich Flüche brüllen ließ.

    Kirasch stellte sich an seine Seite und führte die entsprechenden Bewegungen vor.

    "So, und keinen Deut anders will ich es sehen. Los!"

    Karduum schwang das Schwert wie sein Lehrer die Gerte, was seinen durch die Arbeit in der Schmiede gestählten Armen zu verdanken war.

    Selten zollte ihm der Schinder Anerkennung, doch diesmal schwieg die Rute und er lächelte.

    "Sollten wir da so etwas wie Talent gefunden haben?"

    Doch nicht lange und der Innenhof war wieder erfüllt vom Zischen und Klatschen der Gerte.


    So vergingen Jahre, und aus Karduum wurde ein sehr guter Schmied und ein geschickter, mit allen Wassern gewaschener Kämpfer.

    Ein Kämpfer dessen Feinschliff in den Gassen und Tavernen Tortages erfolgt war, wo man ihn und seinen Lehrer lauthals verfluchte.

    Natürlich nur sehr leise und wenn man sicher war dass sie nicht in der Nähe waren.

    Doch Karduum erfreute sich nicht am Kampf.

    Er hatte heraus gefunden, dass man mit List und Intelligenz weit mehr erreichen konnte.

    Wozu die eigene Haut riskieren, wenn man dafür andere gewinnen konnte?

    Minimiertes Risiko, maximierter Gewinn!

    Er manipulierte, betrog und handelte mit der Hingabe und dem Vergnügen eines Mannes, der sein Metier gefunden hatte.

    Das andere das er gefunden hatte, waren die Freuden der Liebe. Und auch hier war er ein überaus fleißiger Student.

    Bei den Dirnen Tortages lernte er manchen Kniff, der ihm die Schlafzimmertüren reicher, aber unglücklicher Frauen öffnete.

    Und wie in seiner eigenen Familie, so waren die Schlüssel zu den Geldtruhen allzuoft bei den Damen zu finden.

    Waren diese erst einmal nach dem Liebesspiel erfüllt und glücklich eingeschlummert, fanden Schlüssel und Reichtum den Weg zu Karduum.

    Und selbstredend machten die armen Damen nur selten viel Aufhebens darüber, schon gar nicht bei ihren gehörnten Gatten...

    Die Beträge waren verschmerzbar und wurden gemeinhin als Lohn für die Liebesdienste angesehen, ja, manch Dame bezahlte ihn gar regelmäßig.


    Doch bald wurde Tortage zu klein für sein Treiben, zuviel sprach sich herum, zuviele lüsterne Blicke blieben irgendwann nicht mehr verborgen

    und zu klein waren die Geschäfte, als dass sie ihn befriedigen konnten.

    So packte er im Verborgenen seinen wenigen Besitz und seine wesentlich umfangreicheren Reichtümer und schiffte sich eines Nachts auf dem Boot eines Schmugglers ein.

    Nach 10 Tagen kam er in einen neuen Hafen in einer neuen Stadt, hatte einen seiner zahlreichen neuen Namen angenommen und fröhnte seinen alten Leidenschaften.

    Dann und wann wechselte er Stadt, Namen und sein Äußeres.

    Das einzige was dann von ihm blieb waren einige ärmer gewordene Kaufleute und Adlige und deren traurigen Ehefrauen, welche manch Tränchen verdrückten.



    Heute:



    Karduum war sich nicht sicher, ob er die angebotene, schwere Rüstung annehmen sollte.

    Eigentlich waren seine Tage als Krieger lang vorbei, so hatte er nur wenig Verwendung für solchen Ballast.

    Andererseits wurde sie ihm als Geschenk angeboten und in diesen Landen konnte man wahrlich jeglichen Schutz bitter gebrauchen.

    Während er noch überlegte, wickelte sein gegenüber eine Klinge aus einem Stück Leder, bei deren Anblick Karduums Augen glitzerten.

    Dies Schwert war eine Zierde und fühlte sich in Karduums Hand an wie der Körper einer wunderschönen Frau:

    Eine Mischung aus Kraft, Weichheit und Wildheit, welche jedem Manne zu gefallen weiß.

    Also wurde man sich einig, ein lächerlicher Preis wurde bezahlt und Karduum kehrte heim.


    Die anfängliche Ungeschicklichkeit beim Tragen der Rüstung, welche Barloran immer wieder geringschätziges Brummen entlockte, war nur zum Teil gespielt.

    Es war lange her und seine Muskeln mussten das Spiel mit dem Stahl erst wieder erlernen.

    Auch wollte er seinen Kameraden sein wahres Können nicht offenbaren, denn sie sollten ihn ruhig für den überheblichen Gecken halten, der in seiner

    Rüstung herum stolzierte und überheblich vorgab zu sein was er in ihren Augen nicht war.

    Von der Welt unterschätzt zu sein, war ein Vorteil den man nicht leichtfertig hergeben sollte!


    Nur wenn er allein war, vollführte er seine Übungen und Formen, wie der Schinder sie ihm gelehrt hatte.

    Und in der Dunkelheit seiner Kammer, vermeinte er dessen Schweiß zu riechen, seine Stimme zu hören und den Schmerz der Weidenrute zu verspüren.

    Immer und immer wieder, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat.

    Bis seine Muskeln die Bewegungen wieder reflexartig ausführten und seine Sinne wieder für den Kampf geschärft waren.

    Je besser er wurde, desto schwieriger war es allerdings, seinen Kameraden den unbeholfenen Gecken zu zeigen.

    Doch wie so oft kam ihm auch hier das Glück zur Hilfe:

    Bei einem Ausflug um Erz zu schürfen, wurden sie von Spinnen bedrängt.

    Gerade als Karduum zum Schlag ausholte, sprang ihm Barloran von der Schildseite aus in den Hieb.

    Keine Chance den Schwertstreich noch zu stoppen, weshalb er Barloran mit voller Wucht traf und nicht unerheblich verletzte.

    Den Göttern sei Lob und Ehre, der Kamerad war nicht tödlich getroffen und fluchte lauthals über das Ungeschick und die Dummheit Karduums.

    Karduum beschloß ihm dahingehend Recht zu geben, entschuldigte sich für "sein" Mißgeschick und gab sich schuldbewußt und gegrämt.


    Nun endlich fühlte Karduum sich bereit, zumindest Teile seiner Talente wieder aufleben zu lassen.

    Zum Wohle Seebrugges und seiner Bewohner, die ihm seltsamerweise ans Herz gewachsen waren wie nie ein Ort oder Menschen es geschafft hatten.

    Vielleicht weil ihn zum ersten Male Leute nahmen wie er war, dankbar für sein Können, verzeihend bei seinen Fehlern.

    Vielleicht auch wegen den Abenden in der Taverne, dem ehrlichen, gemeinsamen Lachens und Scherzens.

    Vielleicht wegen des Schicksals welches sie alle verband.


    Vielleicht, aber nur ganz vielleicht auch, weil ein Mann seine Geschichte selbst schreibt und sich ändern kann.

    Aber diese Möglichkeit wollte Karduum sich selbst am wenigsten eingestehen.

    Der Kater läßt das mausen nicht.

    Nicht ganz.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Nachdenklich sitzt Karduum an seinem Tisch und beobachtet abwesend die Tänzerin am anderen Ende des Raumes.

    Vor ihm liegt ein Blatt Papier, eng beschrieben.

    Sein Blick fliegt noch einmal über die Zeilen, dann ruft er einen Sklaven.

    "Bring dies zur Festung der Verdammten, zu Händen der Set-Priesterin Wüstenblume. Geh, eile dich!"


    Als der Sklave den Raum verlassen hatte, lauscht Karduum den Klängen der Schmiede.

    Er seufzt kurz und beginnt einen Rucksack zu packen.

    Das nötigste wird er mitnehmen zur Baustelle, nur einige wenige Dinge.

    Die Schmiede wird von seinen Gesellen zusammengepackt.

    Es ist besser vor Ort zu arbeiten, als im weit entfernten Seebrugge.

    Seebrugge. Der Hafen, bei dessen Anblick Stolz seine Brust schwellen läßt.

    Die Bewohner, deren Lachen so gut tut.


    Dann packt er einen zweiten Rucksack.

    Einige persönliche Dinge, einige Dinge von Wert, welche man bei Bedarf schnell versilbern kann.

    Dazu Kleidung, Proviant und Waffen.

    Er weiß wo er diesen Rucksack verstecken wird, hat die Stelle gestern Abend noch ausgewählt.


    Es ist Zeit.

    Zeit aufzubrechen.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Unruhig wälzte sich Karduum im Bett hin und her.

    Er fand keinen Schlaf, zu aufgewühlt war er von den Ereignissen des Tages.


    Irgendwann stand er auf und begann mit den Formen, welche ihm der Schinder einst beigebracht hatte.

    Langsam kehrte Ruhe in seinen Geist zurück und er begann die Ereignisse ruhiger zu betrachten.

    Der Nekromant hatte die Bedingungen geändert. Karduum war sich sicher, dass bei der letzten Begegnung nur von einem Tempel

    die Rede gewesen war. Nun sollte jeder Clan einen bauen.

    Damit zeigte er seine Macht, zeigte dass er allein die regeln bestimmte.

    Dann gab er wiederum zwei Wochen Zeit.

    Zeit...der Zeit kam eine besondere Bedeutung zu. Der Nekromant schien auf etwas zu warten, aber auf etwas das unabhängig von Tempeln war.


    Dann das törichte Aufbegehren einiger Narren. Tulak hatte darauf mit einigen minderwertigen Kreaturen reagiert, die sie nahezu

    mühelos besiegen konnten. Keine wirklichen Gegner.

    Er spielte mit ihnen, gab ihnen immer gerade genug Hoffnung ihn besiegen zu können, dass sie im Spiel blieben.

    Auch der Kampf mit den Verbannten hatte lediglich dazu gedient, ihnen zu zeigen das er unverwundbar war.

    Karduum war sich sicher das der Nekromant einige hätte töten können, hätte er dies gewollt.

    Aber wieder war da das Element Hoffnung, das Bestreben sie alle im Spiel zu halten. Warum?


    Karduums Schwert zog seine genau bestimmten Bahnen. Schweiß rann ihm den halbnackten Körper entlang.

    Seine Bewegungen waren so präzise wie einst, seine Reflexe wieder so fein abgestimmt wie die einer Raubkatze.

    Und durch die Arbeit in der Schmiede war seine Stärke gewachsen.

    "Hüte dich zu zeigen zu was du fähig bist, denn damit verschenkst du den Vorteil der Überraschung, wenn sie es herausfinden!"

    So hatte der Schinder gesprochen.

    "Sei aufmerksam, beobachte jeden und jedes, nur dann wirst du wissen wann und gegen wen ein Kampf nötig ist."


    Weiter ging das Üben, weiter gingen die Gedanken.

    Warum wollte der Nekromant Zeit gewinnen? Für was?

    Oder wollte er sie lediglich von etwas ablenken, die Energie der Insassen dieses riesigen Gefängnisses bündeln, dass sie etwas bestimmtes nicht

    bemerken oder tun konnten?

    Karduums Gedanken wanderten weiter.

    Seltsam, alle mit denen er vorsichtig gesprochen hatte waren in Etwa zur selben Zeit hier angekommen. Einige früher, andere etwas später, aber es schien

    einen Tag zu geben, vor dem keiner hier gewesen war. War dies Gefängnis neu errichtet worden? Zu welchem Zweck?


    Karduum legte sein Schwert nieder und begab sich ins Bad, um seinen erhitzten Körper zu kühlen und sich den Schweiß vom Leib zu waschen.

    Seebrugge hatte zwei Wochen Vorsprung.

    Die Opfer konnten leicht erbracht werden, ohne viel Aufwand.

    Also hatten sie Zeit andere Wege zu gehen, heraus zu finden was der Nekromant im Sinne hatte.

    Nur wie sollte er Dschamal und Barloran davon überzeugen dies zu tun?

    Er war für sie nichts als ein Weiberheld und Aufschneider, einer den man duldete aber nicht achtete.


    Normalerweise wäre dies ein guter Zeitpunkt zu verschwinden, eine andere Gestalt anzunehmen und das Leben irgendwo anders

    neu zu beginnen. Er hatte seine Sachen ja schon gepackt und versteckt. Und doch hielt ihn eine seltsame Macht zurück.

    Karduum hatte sich verändert, sehr verändert.

    Sein Herz hing an diesem Ort und wenn er an Seebrugge dachte, dann dachte er lächelnd daran wieviele der Steine hier er selbst geschleppt hatte,

    wievile der Nägel, welche die Balken zusammenhielten er geschmiedet hatte.

    Er dachte an die Menschen, welche für ihn zu etwas Besonderem geworden waren und ihn doch nicht im geringsten kannten.

    Es war sein eigener Fehler gewesen ihnen nur die Person zu zeigen die er spielte.

    Einzig Shaya hatte einen Blick hinter die Fassade geworfen, und darum war sie für ihn so wichtig.

    Er begehrte sie nicht, was allein schon ein Wunder darstellte, aber er sah in ihr eine verwandte Seele, intelligent und wagemutig.

    Ihr hatte er Dinge offenbart, die kein Mensch wußte. Warum war ihm ein Rätsel, bestärkte ihn aber darin, dass sie eine besondere Gabe hatte,

    welche er fördern und zur vollen Geltung bringen wollte.

    Wenn sie doch nur nicht so stur wäre und ein wenig mehr Sinn für die Realitäten hätte.


    Ein Neuzugang in Seebrugge beschäftigte ihn.

    Calisha. Viel hatte er mit ihr noch nicht zu tun gehabt. Und doch war sie interessant.

    Frecher als es ihr gut tat, was mit ziemlicher Sicherheit der Grund für ihr Hiersein war.

    Und doch hatte sie etwas erfrischendes, belebendes.

    Seine Bemerkungen hatte sie wie selbstverständlich zurück gefeuert und sich in keinem Augenblick überrumpeln lassen.

    Als er sie zu sich eingeladen hatte, war sie ohne eine Spur von Scheu gekommen, hatte sich alles angesehen

    und sein Angebot das Bad zu nutzen sofort angenommen.

    Und auch da hatte sie seine Anzüglichkeiten geschickt gekontert, ohne ihnen im Mindesten auszuweichen.

    Karduum hatte auf dem Weg zum Treffpunkt noch lange innerlich gelacht.


    Er musste sich eingestehen, eine Heimat zu haben. Sie wuchs heran, füllte sich mit interessanten Menschen.

    Und er musste sich eingestehen, dass er sich stark verändert hatte.

    Karduum fühlte Verantwortung für die Menschen und für "seine" Stadt.

    Er wollte nicht weg, er wollte für das kämpfen was er mit den anderen teilte.

    Aber dazu würde er das größte Wagnis seines Lebens eingehen müssen:

    Anderen Menschen sein wahres Ich zu zeigen.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Drei Frauen


    Als Karduum an diesem Morgen erwachte, fühlte er sich erfrischt und in ausnehmend guter Laune.

    Der gestrige Abend hatte ihm einen Felsen von der Brust gerollt und ihm zum ersten Mal seit vielen Jahren das Gefühl gegeben,

    eins mit sich selbst und der Welt um sich herum zu sein. Seltsam, dies ausgerechnet in einem Gefängnis zu verspüren.


    Er erhob sich von seinem Lager und erklomm den Leuchtturm.

    Der Ausblick war wie immer atemberaubend. Vor sich der Fluß, welcher sich einem silbernen Band gleich durch die Landschaft schlängelte,

    hinter sich Seebrugge, das immer mehr Leben anzog und langsam aber sicher zu einer veritablen Stadt heran wuchs. Und dahinter, im aufgehenden Sonnenlicht gerade noch wahrnehmbar, das sanfte, grüne Schimmern der Barriere.


    Seine Gedanken wanderten, von seinem vergangenen zu seinem heutigen Leben. Zum ersten Mal gestattete er seinem Bewußtsein, jene Vergangenheit zu besuchen,

    vor welcher er geflüchtet war:


    Sein Name galt etwas in Tortage.

    Er war ein Krieger, einer mit dem es nur wenige in der Gegend aufnehmen konnten. Tatsächlich gab es wohl nur zwei, die das von sich behaupten konnten.

    Der Eine war der Schinder, sein Meister. Und dann ausgerechnet dieses Mädchen...

    Sie war schnell, hatte Reflexe wie eine Kobra und zeigte sich vollkommen immun gegenüber seinem Charme.

    Karduum genoß sein Leben in Tortage in vollen Zügen.


    Bis zu dem Tag als Menschen zu verschwinden begannen und einige Zeit später in den Wäldern wieder auftauchten, als willenlose Gestalten, deren Drang nach Blut

    unbändig war. Nicht wenige wurden zu Opfern dieser Leute.

    Es hatte eine Weile gedauert, bis sie die Quelle dieses Übels ausgemacht hatten: Ein Hexer hatte sich in den Bergen eingenistet und die Menschen mit dunkler

    Magie zu seinen willenlosen Dienern gemacht.


    Der Schinder führte zusammen mit Karduum den Sturm auf die Bergfeste des Hexers.

    Es war bestürzend, in bekannte Gesichter zu sehen und sie dann niedermetzeln zu müssen. Aber sie trösteten sich damit, dass jene schon tot und nicht mehr dieselben waren.

    Doch so sehr sie sich mühten, dem Hexer war kein Beikommen. Um Karduum herum fielen die Kämpfer wie Blätter im Herbst unter den Klingen der Hexendiener ebenso wie unter den Zaubern ihres Herrn.

    Der Schinder wurde von einem Fluch getroffen und starb unmenschlich brüllend in Karduums Armen.


    Sie flohen. Rannten um ihr Leben.

    In Tortage angekommen, verrammelten sie die Stadttore und wähnten sich einen Moment lang sicher.

    Doch sie hatten den Fluch mitgebracht. Mehr und mehr Menschen wandelten sich und wurden zu Dienern des Übels vom Berg.

    Immer verzweifelter kämpften die wenigen Verbliebenen Krieger gegen sie an, immer mehr fielen.

    Da sah Karduum sie auf die Verteidiger zukommen. Jene Kriegerin die ihm ebenbürtig war.

    Sie war gewandelt und zog mit ihrem Schwert blutige Gassen in den Reihen der Verteidiger.

    Karduum wußte, dass er sie als Einziger aufhalten konnte, doch er war wie gelähmt, konnte sich kaum bewegen.

    Die letzte Hoffnung hatte ihn in diesem Moment verlassen.


    Als sie ihn schließlich erreichte, die Augen voll des Blutdurstes, wich Karduum zurück.

    Doch sie gab ihm keinen Meter. Hieb um Hieb ging auf ihn nieder und wurde nur knapp pariert.

    Karduum war nicht bei sich, er war wie in Trance, ohnmächtig stehend, gehalten nur von trainierten Reflexen und unterbewußtem Überlebenswillen.

    Ein unverhoffter Schwinger schlug ihm das Schwert aus der Hand und die Kriegerin stürtzte sich auf ihn.

    Sie riß ihn zu Boden und versuchte das Schwert hoch genug zu bekommen, um es in seine Brust zu rammen.

    Das Ende war nah.


    Als Karduum wieder zu Sinnen kam, lag sie tot vor ihm. In ihrer Brust sein Dolch, seitwärts zwischen den Rippen genau ins Herz getrieben.

    Er starrte auf seine Hände, von denen das Blut der Kriegerin rann, das Blut von Rajana, seiner Schwester.



    Karduum lehnte auf der Brüstung des Leuchtturmes, einige Tränen rannen über sein Gesicht. Er sah sie vor sich, ihr Lachen, erinnerte sich an ihre

    Streiche, deren Opfer zumeist er gewesen war.

    Er hatte nicht bleiben können. Den Abschied hatte er lang geplant, aber nie wirklich umgesetzt.

    Nun konnte er nicht mehr anders, nun trieb ihn nicht Abenteuerlust davon, sondern Trauer und Schuld.

    Als er seine wenigen Habseeligkeiten packte, hörte er in einem anderen Zimmer seine Mutter weinen und in der Schmiede die Hammerschläge

    seines Vaters, welcher Trauer und Zorn in ein Stück Stahl trieb.

    Er ging in ein neues Leben, der Krieger war tot.

    Ein neuer Name und der Nervenkitzel des Betruges, die Sinnenfreuden und der Wein ließen ihn den Mann aus Tortage nach und nach vergessen.


    Seltsam, dass die Erinnerung ihn nicht mehr schmerzte.

    Karduum lächelte. Shaya.

    Er hatte sich getäuscht. Sie war ihm nicht so ähnlich wie er dachte und sein Wunsch sie auszubilden war ein Irrweg.

    Sie hatte ihren eigenen Weg die Dinge zu tun und war darin so gut, dass sie hinter seine zahlreichen Masken geblickt hatte.

    Karduum wußte nicht, warum er dieser Frau vertraute und warum er ihr all die Dinge erzählte. War sie SO gut?

    Nun, zumindest war sie nach seinem Wissen der einzige Mensch auf Erden, der seinen wahren Namen kannte.

    Vielleicht gab es in Tortage noch den einen oder anderen, welcher sich an ihn erinnern mochte, aber seine Eltern und die Meisten anderen von damals waren tot.

    Tarik.... Es hatte sich seltsam angefühlt, den Namen laut aus zu sprechen.

    Und doch hatte es ihn befreit.

    Shaya war eine vertraute Freundin geworden, aber außer dieser Freundschaft verband sie nichts miteinander. Zu unterschiedlich waren ihre Welten.

    Er konnte sie auch nicht ausbilden, denn sein Weg war trotz allem schon immer ein Weg des Stahls und des Blutes gewesen.

    Ein Weg den sie verabscheute. Sie würde ihren eigenen finden.


    So ganz anders war Calisha.

    Ein Wildfang wie er im Buche stand. Ihre Zunge stand ihren Dolchen in Schnelle und Schärfe in nichts nach und ihr Knie war gefürchtet

    unter den Männern im Hafen. Mancher hatte nach einer unvorsichtigen Bemerkung schon allzu intime Bekanntschaft damit machen müssen.

    Hinter dem Anblick des kleinen, eher zierlichen Mädchens verbarg sich eine Frau die genau wußte was sie wollte und was nicht und der kein Weg

    zu schmutzig und zu blutig war um genau dies zu erreichen.

    Außerdem hatte sie scharfe Augen und ihm auf den Kopf zugesagt was Dschamal und Barloran all die Zeit verborgen geblieben war.

    Karduum hatte versucht sie zu reizen, um einen Angriff zu provozieren. Sie hatte sich darauf eingelassen, aber so ruhig und kalt wie der Schnee auf einem winterlichen Berg.

    Und zu seiner großen Überraschung hatte sie ihn beinahe getroffen.

    Um weniger als Haaresbreite war er dem Dolchstoß gegen seinen Rücken ausgewichen und dabei beinahe ins Straucheln gekommen.

    Ebenso schnell und wendig war sie seinem Angriff ausgewichen, hatte den harmlosen Treffer kassiert, um den ernsthaften ins Leere gehen zu lassen.

    Sie musste seine Absicht in Sekundenbruchteilen erahnt und entsprechend reagiert haben.

    War Barloran blind oder ein Narr, dieser Frau das Schwert lehren und sie ihrer mächtigsten Waffe berauben zu wollen?

    Und bei all dem hatte sie noch genug Muße, sich mit ihm ein Duell zweideutiger Bemerkungen zu liefern, welches ihn mehr als einmal grinsen ließ.

    Aufgeben kannte sie nicht, jede Bemerkung wurde mit ein bis zwei Kellen mehr Pfeffer erwidert.

    Karduum fühlte sich so lebendig und ausgelassen wie ein junger Spund.

    Er hatte innerlich gelacht, als sie ihm vor einigen Tagen angeboten hatte, ihm zu helfen beim umgarnen der Frauen geschickter zu werden.

    Nun war er sich nicht mehr so sicher ob er die Hilfe vielleicht doch in Anspruch nehmen sollte.

    Doch bei wem sollte er sein neues Wissen anwenden?


    Bei Wüstenblume?

    Seine Züge wurden ernster als er an sie dachte.

    Von den drei Frauen in seiner näheren Umgebung war sie ihm am nächsten und gleichzeitig unendlich fern.

    Sein letztes Treffen mit ihr begann mit einem Streit und endete in einem Kuss.

    Seitdem hatte er von ihr nichts gehört, geschweige denn sie gesehen.

    Sicherlich hätte er ihr schreiben können, aber etwas hielt ihn davon ab.

    Hatte es mit seiner Veränderung zu tun?

    Wüstenblume war ebenfalls eine starke Frau, vielleicht die stärkste von allen. Aber sie war auch die undurchsichtigste von ihnen.

    Sie nahm extrem viel auf sich um, wie sie sagte, ihn und Seebrugge zu schützen.

    Was hatte sie davon das eine oder andere schützen zu wollen?

    Karduum war Realist genug um Liebe aus zu schließen, denn in diesem Falle hätte sie sich anders verhalten.

    Also verfolgte sie eigene Ziele und sowohl Seebrugge als auch er waren nur ein Teil des Puzzles.

    Nun, auch damit konnte er leben. Schließlich hatte auch er Ziele.


    Karduum lächelte dem Morgen entgegen.

    Seine Ziele waren im gleichen Moment gereift, in dem Karduum und Tarik sich vereinten.

    Der Tag begrüßte einen neuen Mann, und dieser musste dringend mit Dschamal reden, denn endlich hatte er den Stummen begriffen.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

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  • Eine Narbe, verdeckt von einem Schmuckband.

    Sie erzählt eine Geschichte, eine Geschichte die Karduum nicht kannte.

    Er war oft verfolgt worden, Menschen und Tiere hatten nach seinem Leben getrachtet, ihn oft und ernsthaft verletzt.

    Aber niemals war er versklavt worden, nie im Rad angekettet gewesen.

    Er versuchte sich die Verzweiflung, die Wut vorzustellen, welche solche Narben hinterlassen würde.

    Es war unmöglich.


    Er berührte das Band. Es fühlte sich seltsam kalt an, dafür dass es so eng um einen warmen Hals lag.

    Jetzt war es ein Schmuckband, aber er dachte an das unerbittliche Eisen.

    "Glaub mir, das aus Stahl war kälter."

    Die Stimme kam von weit her.


    Karduum hatte ihr versprochen jeden zu töten der ihr Freiheit oder Leben nehmen wollte.

    Dies würde er für jeden Menschen in Seebrugge tun.

    Aber der Blick auf diese Narbe hatte etwas anderes ausgelöst.

    Plötzlich verstand er sie viel besser, warum sie war wer sie war, warum sie ist wer sie ist.

    Niemals würde man ihr die Freiheit wieder nehmen, eher ginge sie in den Tod.

    Wie unerträglich musste für sie die Gefangenschaft hinter der Barriere sein, der Anblick des grünen Schimmerns, das die Grenzen ihrer Zelle definierte.

    Bis dato hatte er Sympathie für sie empfunden. Nun gesellte sich Respekt hinzu.


    Er fühlte sich ein wenig schäbig, ihr in dieser besonderen, verletzlichen Situation, in der sie ihm Vertrauen schenkte, einen ihrer Dolche zu stehlen.

    Aber es gehörte zu ihrem Spiel und Karduum wusste das absichtliches Verlieren von ihr nicht geschätzt würde.

    Und es lehrte sie, ihm nicht zu sehr zu vertrauen, obwohl er sich nichts sehnlicher wünschte als Vertrauen.


    Daheim angekommen, begrüßte ihn wie immer seine Tänzerin.

    Er hatte sie nie Sklavin genannt, und doch war sie eben dies. Sie war nicht frei in ihrer Entscheidung bei ihm zu sein.

    Er hatte sie nie geschlagen, sich ihr nie mit Gewalt aufgedrängt. Aber welche Wahl hatte sie schon?

    Als sie sich an ihn schmiegte, streichelten seine Finger gedankenverloren ihren glatten, samtweichen Hals.

    "Bist du gern bei mir?", fragte er sie.

    Sie schlug die Augen nieder, sah zu Boden.

    "Ich bin da gerne, wo mein Herr es wünscht."


    Karduum schlief unruhig in dieser Nacht.

    Neben ihm eine versklavte Frau, die ihren Herrn nicht verstand und sich um ihr Leben sorgte.

    Hatte sie etwas falsch gemacht? War er ihr überdrüssig geworden? Würde er sie jetzt töten, weil sie für ihn keinen Wert mehr hatte?

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Der Preis der Freiheit



    Freiheit. Das einzige das Karduum stets besessen hatte.

    Nun, es hatte kurze Ausnahmen gegeben, aber niemals war sein Wille gebrochen worden, niemals hatte er sich vollständig unterwerfen müssen um sein Leben zu retten.

    Beim Anblick der Narben an einem zarten Frauenhals war etwas in ihm geschehen.

    Lag es daran, dass er diese Frau mochte, vielleicht mehr als er es sagte?


    Gerade jetzt kam Leira in Seebrugge an.

    Eine junge Frau, welche Schutz suchte und gerne in Seebrugge bleiben würde.

    Doch wie sich herausstellte, war sie nicht so frei wie sie dachte.

    Und ihre Herrin forderte einen Preis für ihre Freiheit.

    Einen unverschämt hohen Preis von 5000 Barren Stahl, verbunden mit der Drohung die Frau würde ansonsten den Preis in den Betten vieler Männer bezahlen müssen.

    Natürlich hatte Dschamal dem Handel zugestimmt. Und ebenso selbstverständlich halfen sie alle ihm, den Preis aufzubringen.

    Man würde bezahlen, Leiras Freiheit erkaufen.

    Und Celaine würde den Reichtum genießen, den sie ihnen abgepresst hatte.


    Karduum hingegen würde arbeiten, die Öfen beschicken, seinen Schmelzern höheren Lohn bezahlen, neue Arbeiter anstellen und jeden nur möglichen Handel abschließen.

    Er würde nochmal 5000 Barren schmelzen, ohne das Wissen von Dschamal oder Seebrugge.

    Es mochte um eine Fremde gehen, doch Karduum sah nur die Narben an Calishas Hals, und dachte an sein Versprechen. Nie wieder!


    Celaine hatte den Preis festgelegt. Für Leira und für ihren eigenen Kopf.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Karduum hatte versagt, gerade im wichtigsten Moment hatte er versagt.

    Ihr Ruf hallte wieder und wieder in seinem Kopf:


    "Karduum, wir kämpfen Rücken an Rücken!"


    Er war bei ihr, hielt ihr den Rücken frei, doch in den Wirren des Gefechts und der überwältigenden Schwärze der Nacht hatte er sie wieder und wieder verloren und musste sie im Getümmel suchen.

    Sie hatte sich auf ihn verlassen und er tat sein Bestes, doch es war nicht genug.


    Alles in ihm zog sich zusammen, als er sie auf einmal nicht mehr finden konnte. Ein Ruf von der Flanke der Karawane musste sie alarmiert haben. Dort suchte er nun nach ihr, nicht wagend ihren Namen zu rufen um keine weiteren Gegner aufmerksam zu machen. An einen Felsen gelehnt fand er sie schließlich.

    Ihre Hand war auf den Bauch gepresst, Blut quoll zwischen den Fingern hervor, doch sie grinste und meinte es sei nur ein Kratzer.

    Ein leichtes Zittern der Stimme verriet Karduum die Wahrheit. Schnell und wie er es gelernt hatte, reinigte er oberflächlich die Wunde mit einem in Heilendes Öl getunkten Tuch.

    Der Schnitt schien nicht allzu schlimm zu sein, aber er blutete heftig.

    Karduum hoffte das Öl würde die Blutung etwas stillen und legte einen stramm sitzenden Verband an. Sie würde laufen und sich leidlich bewegen können, aber ein erneuter Kampf könnte zuviel sein und die Wunde weiter aufreissen lassen. Sie mussten weiter. Schnell.


    Den Rest des Weges wich er nicht mehr von ihrer Seite.

    Es war, den Göttern sei Dank dafür, nicht mehr allzu weit bis zu der Siedlung wo sie Rast halten würden.

    Dort angekommen setzte sie erneut ihr Vertrauen in ihn und forderte ihn auf die Wunde zu nähen.

    Als er den Verband öffnete, erkannte er sofort die eingetretene Katastrophe: Die Verletzung war tiefer als er angenommen hatte und war durch den Marsch noch weiter aufgegangen.

    Karduum zweifelte, dass seine eher bescheidenen Feldscherkenntnisse dafür ausreichend waren.

    Als sie so vor ihm lag, ihre Schmerzen und die Angst mit den üblichen, scharfen Bemerkungen und Witzen überspielend, kam ihm kurz der Gedanke sie könnte tatsächlich sterben.

    Eine Heilerin kam heran und bot ihre Hilfe an, was er gerne und sehr erleichtert angenommen hatte.


    Die Frau arbeitet sorgfältig und methodisch und strahlte dabei eine angenehme Ruhe aus. Ihre Griffe waren sicher und sicherlich schon hunderte Male geübt.

    Karduum konnte weiter nichts tun als Calisha mit halbherzigen Scherzen abzulenken.

    Ein ungeschlachter Krieger trat heran und sprach die auf dem Boden Liegende auf eine Art an, die ihm in jeder anderen Situation mindestens eine gebrochene Nase eingebracht hätte.

    Nun ja, auf ihre ureigene Art hatte Calisha ihm zwar nicht die Nase, aber mit Sicherheit Teile seines ach so großen Selbstbewußtseins gebrochen.

    Karduum hatte einmal sogar nur mit Mühe ein lautes Lachen vermeiden können.


    Doch das war nur eine kurze Ablenkung gewesen. Karduum sah das ernste Gesicht der Heilerin nur allzu gut und mühte sich redlich zuversichtlich zu klingen und die üblichen Witze zu machen. Auf einen davon erwiederte Calisha, ob er ihr einen Antrag machen wolle. Er wollte schon grinsen und ihr eine passende Erwiderung an den Kopf werfen, als die Heilerin aufsah und ernst sagte:

    "Wenn das eure Absicht ist, solltet ihr das jetzt tun, falls sie die Nacht nicht übersteht."


    Was? Warum? So ernst war die Verletzung doch nicht. Oder doch? Hatte er etwas übersehen?

    Gedanken rasten durch seinen Kopf, verwirrten und erschütterten ihn.

    Mechanisch riß er weiter Witze und bestärkte Calisha dass alles in Ordnung käme und sie nicht hier in der Wüste abkratzen würde.

    Aber was wenn es doch anders käme?


    Die Heilerin beruhigte sie schließlich und erlaubte ihr sogar aufzustehen.

    Karduum musste sie stützen und in die Kammer bringen, die ihr von den Gastgebern zur Verfügung gestellt wurde.

    Sie sank mit schmerzverzerrtem Gesicht auf das Bett.

    Sichtlich erschöpft schloss sie die Augen.

    "Hier bleibe ich jetzt einfach liegen. Passt du auf?"

    Zum ersten Mal hatte sie ihren Schutzschild aus frechen Bemerkungen und demonstrativer Stärke ihm gegenüber fallen lassen.

    Ihre Frage klang beinahe wie eine Bitte an ihn, bei ihr zu bleiben. Auf die beste Art die ihr wohl möglich war.

    "Sicher. Das ist das Mindeste das ich für dich tun kann."

    War da ein Lächeln? Man konnte es nicht sicher sagen.

    Sie schlief bereits, als die von ihr gewünschte Flasche Schnaps gebracht wurde. Das Besäufnis würde also warten müssen.


    Karduum saß auf dem Stuhl vor ihrem Bett. Sein Blick ruhte auf ihr.

    Er dachte nach. Die Gedanken wirbelten und überschlugen sich. Shayas Worte, die der Heilerin, ihre, seine....

    ".......solltet ihr das jetzt tun......Nacht nicht übersteht......."

    "Zögere nicht zu lange, sonst wirst du nur ein Bruder für sie sein"

    "............Nacht nicht übersteht........"

    "Ist der Verführer etwa verführt worden?"

    "........nicht übersteht......"

    "Sprich mit ihr, was hast du zu verlieren?"

    "Sie!"

    "............übersteht..........."

    "Willst du mir etwa einen Antrag machen?"

    "......solltet ihr das jetzt tun......."

    "....bin ich nicht mutig genug...."


    Der Schlaf übermannte auch ihn und schenkte ihm gnädigen Frieden. Für den Moment.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Die brennende Mittagssonne weckte Karduum.

    Nun ja, wecken war nicht der richtige Ausdruck für das was da gerade auf dem Balkon der künftigen Brauerei passierte.

    Er wälzte sich stöhnend auf die Seite und vermied es dabei strikt, seine Augen auch nur einen Millimeter zu öffnen.

    Erst nach einer gewissen Zeit, während der er zu seinem höchsten Bedauern feststellte noch am Leben zu sein, entschied er sich

    der grausamen Welt ins Auge zu sehen.

    Um ihn herum lagen und standen zahlreiche leere Flaschen, welche einst Met und Rotwein enthalten hatten.

    Der faule Geschmack in seinem Mund erklärte ihm zwei Dinge.

    Einige der Flaschen gingen definitiv auf sein Konto und ihr Inhalt war ebenso definitiv nicht mehr vollständig in ihm.

    Den Göttern sei Dank!


    Als er sich mit Geräuschen die an wilde Tiere erinnerten aufgerichtet hatte, nahm er seine Umgebung näher in Augenschein.

    Cali war weg. Verdammt.

    Das konnte bedeuten, dass sie den Wettstreit gewonnen hatte.

    Auf jeden Fall ging es ihr wohl besser als ihm.

    Karduum wankte noch unsicher zur Tür, öffnete sie und sah einem grinsenden Arbeiter ins Gesicht.

    "Ich soll ausrichten, Calisha sei schon bei der Arbeit am Hafen. Der Herr möchte doch nachkommen, so es ihm möglich sei."

    Karduum nickte langsam, denn jede schnelle Bewegung hätte eine Katastrophe auslösen können.

    "War irgendwas anders an ihr als sonst?" erkundigte er sich.

    "Naja, sie war recht fröhlich wie immer, aber sie schlug bei den Besoffenen im Hafen heutmorgen fester zu als sonst."

    Karduum verzog schmerzlich verzerrt das Gesicht.

    Verdammt! Das würde er noch ewig zu hören bekommen.


    Nachdem er sich am Fluß gewaschen und das kalte Wasser auf seinem schmerzenden Schädel eine Weile genossen hatte,

    kehrte er zurück auf den Balkon um das Chaos zu beseitigen.

    Dabei versuchte er seine Erinnerungen zu ordnen, beziehungsweise sie überhaupt zu finden.

    Er war auf dem Balkon gesessen, hatte den Sonnenuntergang beobachtet und über die Karawane nachgedacht.

    Dann war Cali gekommen und hatte davon erzählt was sie noch alles bauen wollte und dass sie sich wohl hier oben

    eine Wohnung einrichten wolle.

    Irgendwie kamen sie auf die Karawane und ihre Verwundung zu sprechen und waren beide einig, dass sie das Ganze am liebsten vergessen würden.

    Nun, das ginge wohl am besten mit Alkohol. Also hatte er einen Teppich, ein paar Kissen und weit mehr als ein paar Flaschen Met und Wein geholt.

    Sie hatten sich auf den Balkon gesetzt und geredet über dies und das.

    Karduum konnte sich erinnern dass sie beide ein bestimmtes Thema aussparten und wenn sie ihm zu nahe kamen lieber tranken.

    Sie mussten ihm sehr oft nahe gekommen sein, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt war da nur noch Schwärze.

    Einige Fetzen kamen ihm in den Sinn. Irgendwas von einem Bett von dem man sagte er komme nicht rein weil es zu groß sei.

    Er wunderte sich, denn hier war beim besten Willen kein Bett zu sehen, schon gar kein so großes.

    Irgendein Zusammenhang fehlte ihm da wohl.


    Hatte er sie geküsst?

    Ja, da war was. Sie hatten sich geküsst. Es war schön.

    Es stand 3:3. Aber bei was? Beim Küssen? Warum hatten sie da mitgezählt?

    Oder ging es da um was anderes?


    Hatten sie etwa? Er sah an sich herab. Nein, hatten sie nicht.

    Egal wie gut sie den Alkohol vertrug, sie hätte ihm die Rüstung nicht wieder anziehen können ohne ihn zu wecken.

    Aber da war noch was, etwas wichtiges...

    Er zermarterte sich das Hirn bis es schmerzte, was im Augenblick nicht lange dauerte.

    Am besten wäre es wohl, er ginge heim. Noch ein paar Stunden Schlaf würden ihm gut tun und vielleicht kam dann auch die Erinnerung wieder.

    Der Weg durch die Stadt und über den Hafen zog sich scheinbar endlos. Und daheim erwartete ihn eine Überraschung.


    "Sauna frei"

    Empfing ihn ein Schild an der Tür zu seinem kleinen Refugium. Ah ja, er hatte versucht eine Sauna zu bauen, war aber noch nicht dazu gekommen

    sie zu testen. Wahrscheinlich bekam er eh nicht genug Hitze in den Raum.

    Aber er konnte sich nicht an ein Schild erinnern...


    "Bad frei"

    Stand auf dem Schild neben dem Abgang zu seinen privaten Räumen.

    Als er die Treppen hinunter kam, eilte schon sein Geselle auf ihn zu: "Alles gepackt Herr!"

    Karduum nickte abwesend. Gepackt? Was?

    Er sah sich um. Irgendwie fehlte in dem Raum einiges. Er brauchte eine Weile, aber als er dann ein Regal mit Handtüchern und Ölen sah,

    da ging ihm zumindest ein kleines Licht auf: "Wo, bei Croms stählernen Eiern, sind meine ganzen Sachen?"

    "Alles gepackt, sagte ich doch schon." erwiederte der Geselle unsicher, "Cali meinte ihr wolltet es so..."

    Verwirrt, aber unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, sagte er nur: "Ich bin müd, lass mich schlafen."

    Der Junge nickte und machte sich mit einer Kiste davon. Karduum wußte nicht wohin der seine Sachen brachte, er sah nur noch mit halbem

    Auge, wie der Kerl das "Frei" wegwischte und durch "Besetzt" ersetzte.


    Nein, irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Lange hatte er mit Shaya an diesem Abend geredet, in der Hoffnung Klarheit zu finden, zu ergründen was er fühlte.

    Doch am Ende war er verwirrter als je zuvor.

    Shaya lag ihm am Herzen, sehr. Auch während der Karawane hatte er mehrmals gewünscht zu ihr zu gehen und mit ihr zu reden.

    Sie war seine Vertraute, die Dinge wusste von denen kein Mensch auch nur ahnte.

    Auch hatten sie eine wundervolle Nacht geteilt, so selbstverständlich, natürlich war es geschehen.

    Doch in seinen Gedanken war auch Cali immer zugegen, ihr Lachen, die Art wie sie scheinbar schmollte um dann doch wieder dieses

    wilde Grinsen zu zeigen. Bei ihr fühlte er sich frei, frei wie nie zuvor.


    Er war schon oft zwischen zwei Frauen gestanden, die Situation kannte er. Also tat er, was er immer tat wenn es brenzlig wurde:

    Er machte sich aus dem Staub.

    Doch diesmal nicht für immer. nur für eine Nacht, nur um Klarheit in seine Gedanken bringen zu können.


    Hoch oben in den Bergen hatte er schon vor Wochen einen Flecken gefunden der ihn im innersten angesprochen hatte:

    An einer Klippe krallte sich ein alter, verdorrter Baum mit aller Kraft seiner Wurzeln an den kargen Berg.

    Unter ihm kam ein langes Nichts, dann der Fluß. Und um ihn herum nur der kühle Wind und die Ferne.

    Bei Nacht lehnte Karduum an dem Baum, sah in die Sterne und ins Land. Sah Lagerfeuer und Behausungen und war

    doch weit weg von allem.

    Es schien als frage er den hölzernen Alten um Rat, als könne die Weisheit seines langen Lebens Karduums all zu kurzes

    Dasein in die richtige Richtung lenken, seine Gedanken ordnen.


    Heute Nacht jedoch waren es Erinnerungen welche ihm in den Sinn kamen, sich dort festsetzten und ihr klärendes Werk taten.

    Ein Abend am Feuer, mit dem Schinder, der inzwischen ein Freund und zweiter Vater war.


    "Tarik, ich kenne dich, seit du in die Windeln geschissen hast, und nun bist du ein Mann."

    Der trotz seines Alters immernoch imposante Krieger lehnte sich an einen Felsen und sprach weiter:

    "Mehr als das, du bist ein Krieger und für mich wie der Sohn, welcher mir nie vergönnt war.

    Ich will dir heute mein Vermächtnis geben, denn ich spüre das mein Weg mich bald zu Crom führen wird."

    Eine abwehrende Handbewegung ließ Tariks Einwand sofort verstummen.

    "Halt dein vorlautes Maul und lass einen alten Mann reden, wenn er reden will!

    Tarik, solange ich denken kann sehe ich das in dir Croms Stahl wirkt. Er fließt in dir wie glühendes Feuer,

    er rüstet dich wie es kein Eisen je vermag. Du bist wahrlich ein Kind Croms!"

    Der Schinder nahm einen tiefen Schluck Ale aus dem Krug und fuhr fort:

    "Doch ich sehe auch, dass in dir das Herz deiner Mutter schlägt, du den feinen Künsten anhängst und dass du

    ein mehr als geschickter Händler bist, der wohl Reichtum auch ohne das Schwert finden kann.

    Beides ist untrennbar verbunden, doch es wird der Tag kommen, an dem du einer Seite die

    Führung über dein Leben geben musst."


    Tarik nickte zu den Worten des Kriegers nachdenklich und sprach:

    "Ich gebe dir recht, mein Freund. Ich liebe wie das Schwert in meiner Hand liegt, ich liebe es sein Werk zu tun

    und den Gegner zu töten. Doch ebenso liebe ich das prickelnde Gefühl wenn ein handel zustande kommt und ich weiß

    meinem Gegenüber mehr abgenommen zu haben als er meint. Wie soll ich mich je entscheiden?"


    Der Schinder lächelte nur, sah Tarik an und sprach ernst:

    "Das Schicksal wird dir eine Prüfung auferlegen. In ihr wirst du deinen Weg erkennen.

    Und dann gehe ihn unbeirrt, denn er wird dich zu deinem Glück führen."



    Karduum erinnerte sich genau an dieses Gespräch. Er hatte damals nicht verstanden was der Schinder mit der Prüfung meinte,

    bis er seine geliebte Schwester mit erhobener Waffe auf sich zukommen sah und sie schließlich tötete.

    Beim Anblick seiner blutigen Hände erkannte er den Wink des Schicksals und schwor dem Krieger ab.

    Doch hatte er den Fingerzeig des Schicksals richtig gedeutet?

    All die Jahre war er davon überzeugt gewesen, doch nun, hier, dachte er dass es auch eine andere Erklärung gab:

    Er hatte damals instinktiv wie ein Krieger gehandelt, Crom hatte seine Hand geführt und ihn das tun lassen, was notwendig war.

    War dies nicht die Essenz des Krieger seins? Zu tun was nötig ist? Anderes Wohl über das eigene stellen?

    Heute und hier wußte er, dass er immer ein Krieger sein würde, egal wohin der Weg des Lebens führen mochte.

    Und seine andere Seite ergänzte ihn zu dem Mann der er war. Eine Erkenntnis, welche er allein Shaya verdankte.


    Eine andere Erinnerung verschaffte sich Platz in Karduums Gedanken.

    Er war damals 14 oder 15 und war mit seiner um zwei Jahre älteren Schwester Rajana am Fluß.

    Sie badeten und alberten herum, neckten sich gegenseitig und genossen einen der seltenen freien Tage der ihnen heute

    vergönnt war. Sie waren gerne beisammen, denn sie verstanden sich blind und hatten großes Zutrauen zu einander.

    Tarik sah in ihr die Weisheit der Älteren, trotz des geringen Abstands an Jahren.

    "Rajana...", sprach er sie an, "...kannst du mir sagen was Liebe ist?"

    Die Angesprochene lachte glockenhell:

    "Sag nur, mein Tarik ist verliebt. Ist es die kleine vom Saatguthändler?"

    Tarik wurde rot, teils aus Scham, teils aus Ärger. Trotzdem nickte er.

    "Ich hätte dich nicht fragen sollen. Weiber sind halt blöd." murrte er beleidigt.

    "He, mein Herz. Ich hab es nicht so gemeint. Sie ist ein liebes Mädel, und ich kann verstehen, dass du sie sehr magst."

    Rajana versuchte Tarik zu beruhigen.

    " Ja, aber was fühle ich für sie? Ist das Liebe?"

    Seine Schwester sah ihn lange an und sprach dann:

    "Mein Tarik... es gibt drei Arten der Liebe. Da ist einmal die Liebe die Geschwister oder sehr gute Freunde füreinander empfinden.

    Sie ist erfüllt von Vertrauen und Hingabe füreinander, doch verlangt sie keine Treue, man kann sie mehreren Menschen schenken.

    Dann ist da das Verliebtsein. Auch da sind Vertrauen und Hingabe, jedoch kommen noch weitere Gefühle hinzu.

    Da ist das kribbeln im Bauch wenn man den geliebten Menschen sieht, das Verlangen ganz nah bei einander zu sein, sich küssen

    zu wollen und noch mehr."

    Tarik lauschte aufmerksam.

    "Und schließlich ist da die wahre Liebe, die man nicht für zwei Menschen gleichzeitig fühlen kann. Zu allem was man beim Verliebtsein spürt,

    kommt noch das sichere Gefühl dass der andere einen zu dem macht wer man ist, dass er uns ergänzt und vervollständigt. Das Gefühl, dass

    man diesen Menschen niemals verlieren will."

    Rajana blickte zu ihrem nun sehr nachdenklich gewordenen Bruder, der schließlich zu ihr sah.

    "Und wie nennt man es, wenn man sie einfach nur berühren will, ihren Busen streicheln und noch mehr?"

    Wieder lachte Rajana schallend und stürzte sich lachend auf ihren grinsenden Bruder:

    "Das nennt man *typisch Tarik*"


    Karduum lächelte. Rajana war immer da gewesen um ihm zu helfen. Er liebte sie noch immer von Herzen.

    Und noch aus dem Reich der Toten schickte sie ihm Rat und Weisheit.

    Er sah sie lachen und strahlen, und ihm war als riefe sie ihm zu er solle auf sein Herz hören und endlich zu ihr gehen.


    Noch vor dem Morgengrauen öffnete er die Tür und ging leise durch den Raum.

    Am Bett angekommen, sah er die Schlafende lange an.

    War es Liebe?

    Er vertraute ihr. Mit seinem Leben wenn nötig.

    Er gab sich ihr hin, würde sein Leben für das Ihre ohne zögern geben

    Wenn er sie sah, spürte er ein kitzeln in der Brust, das ihn am liebsten laut loslachen ließe.

    Und sie so da liegen zu sehen, weckte in ihm das unbändige Verlangen sich einfach dazu zu legen und sie in den Arm zu schließen.

    Naja, wenn er ganz ehrlich war, erstreckte sich das Verlangen vielleicht auf mehr als das.

    Sie würde an seiner Seite sein, im Kampf und im Lachen.

    War das möglich? Liebte er sie?

    Karduum lächelte voll innerem Frieden. Was er wußte genügte ihm, alles andere würde die Zeit klären.


    Ein letzter Blick auf sie, bevor er hinaus auf den Balkon zum schlafen ging, denn das Bett, welches auf einmal hier stand, war ihm noch nicht offiziell gestattet.

    Seine letzten Gedanken vor dem Einschlafen galten ihr.



    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Der Reisende, welcher den Weg von der Feste der Verbannten nach Seebrugge beschreitet, wunderte sich sicher über den fröhlich und beschwingt

    einher gehenden Karduum, dessen Schritt freudig beseelt kräftig ausschreitet.


    Ihm ging es einfach gut.

    Mehr und mehr fielen Unsicherheit und Zweifel von ihm ab, schoben sich die Puzzleteile seines Lebens an ihren richtigen Platz.

    Ein Letztes war da noch gewesen, das er hatte tun müssen, bevor er endgültig einen für ihn so neuen Weg beschritt und sich zum ersten Mal

    in seinem Leben an eine Frau band.


    Wüstenblume hatte sich als wahre Freundin erwiesen. Beschämt hatte er feststellen müssen, sich in ihr getäuscht zu haben.

    Ihre Absichten, hatte er erkannt, waren ehrlich gewesen.

    Sie hatten gemeinsam ihren Tempel besichtigt und Karduum war beeindruckt von der Größe des Bauwerkes und der Macht welche es ausstrahlte.

    Nicht minder gefielen ihm die persönlichen Räume der Priesterin, welche ihr Wesen nahezu perfekt wiederspiegelten.

    Geschmack wechselte mit Notwendigkeit, Macht mit Spielerei und überall offenbarte sich für den geübten Beobachter in kleinsten Details

    der Wunsch nach einem Heim, nach Geborgenheit, was Karduum über alle Maßen gefallen hatte.


    Eine Dienerin brachte feuchte Tücher um sich den Staub der Wüste vom Gesicht zu waschen und sich ein wenig zu erfrischen.

    Auch so ein Detail, welches auf eine aufmerksame, zugewandte Gastgeberin schließen ließ.

    Sie hatten ein wenig getrunken und gegessen und sich über dies und das unterhalten.

    Dann hatte er ihr von den Ereignissen der letzten Wochen erzählt, von dem Wandel in seiner Seele und dem Frieden den er dadurch fand.

    Nicht nur zeigte sie Verständnis für den Weg den er gehen wollte, sie freute sich ehrlich für ihn und entband ihn wie selbstverständlich von seinem

    Versprechen, einer Abmachung die sie einst miteinander getroffen hatten.

    Doch in diesem Moment wollte er dies nicht, er wollte die Abmachung erfüllen, um ihr zu zeigen das er sie in gleicher Weise als Freund schätzte,

    auch wenn er dadurch ein hohes Risiko einging.

    So wurde der Pakt erfüllt und beide trennten sich in tiefem Frieden und in einer auf neuen Säulen stehenden Freundschaft.


    Doch nun freute er sich auf seine Heimkehr und auf Calisha.

    Seine letzten Sachen waren in ihrem Haus angekommen, aber noch nicht ausgepackt.

    Das würde er mit ihr gemeinsam tun, denn sie sollte mit ihm entscheiden was den Weg in ihr gemeinsames Heim fand.

    Karduum lächelte glücklich. Die Narben Calishas kamen ihm in den Sinn. Sie hatte sich befreit.

    Mehr als das, sie hatte eine Heimat gefunden in der sie jeder schätzte und als gleichwertig empfand.

    Sie hatte das Ratsgebäude entworfen und mit den Arbeitern zusammen erbaut, nur um dann gleich eine Mühle erstehen zu lassen.

    Und schließlich hatte sie sich ein Heim erschaffen, in dem sie mit einem Manne wohnte, der niemals zulassen würde dass je wieder Ketten

    an sie gelegt würden.

    Sie war wahrlich frei und einzig sie entschied über die Bande die sie tragen würde.


    Er dachte kurz an die Tänzerin, der er die Freiheit geschenkt hatte.

    Allen seinen Dienern hatte er nicht nur die Freiheit geschenkt, sondern ihnen angeboten weiter für ihn zu arbeiten, jedoch in Lohn

    und Brot und als freie, gleichberechtigte Bürger Seebrugges.

    Sie hatte das Angebot nicht annehmen wollen.

    Karduum konnte nichts tun als sie mit allem auszustatten was sie für ein neues Leben brauchte.

    Er hoffte nun, sie würde ihr Glück finden wie es Calisha gelungen war. Und ebenso hoffte er, dass sie ihm irgendwann vergeben konnte.


    Am Horizont tauchte Seebrugge auf und Karduum beschleunigte seinen Schritt um ein Vielfaches.

    Hoffentlich war sie da, denn er wollte jetzt nichts mehr auf der Welt, als sie in seine Arme zu schließen und ihr zu versichern dass er jetzt vollständig ihr gehörte.

    Welch seltsamer Wunsch für Karduum ma Aárif und ganz tief in ihm fragte ein kleiner Zweifel ob das wohl gut gehen würde.

    Doch Tarik verbannte ihn in den hintersten Winkel, denn er wollte jetzt einfach zufrieden und glücklich sein.

    Karduum ma Aárif (ermordet)

    Horus, skrupelloser Sklavenhändler und Gefängnisbetreiber

    Rajana. Reisende

  • Diesem Treffen zu zustimmen war ein Fehler gewesen, er hatte es geahnt.

    Sie hatte mit ihm gesprochen, gefordert das Kopfgeld zurück zu ziehen.

    Das war sein zweiter Fehler gewesen. Er hätte ihr nicht sagen sollen, dass er dies bereits getan hatte.


    Aber sie war freundlich gewesen. Hatte ihm auf seine Frage hin sogar Essen angeboten.

    Vielleicht war er einfach zu arglos gewesen, abgelenkt von seinen vielen Gedanken.


    In ihm tobte ein Sturm.

    Da war Dschamal, ein Freund, und doch hatte er immer mehr Entscheidungen getroffen ohne die anderen auch nur um Rat zu bitten.

    Karduum wußte nicht ob er wütend oder enttäuscht sein sollte, denn er empfand es als Betrug als Dschamal Celaine nach Seebrugge geholt hatte.

    Sollte er nochmal in Ruhe mit ihm reden?


    Dann Barloran. Er sah wie dieser sich quälte, seit seine Sklavin oder Gefährtin den Tod gefunden hatte. Und doch fand er keine Zeit um sie zu trauern.

    Zu viel war geschehen bei dem seine Hilfe gebraucht wurde. Barloran hatte viel auf sich genommen, viel mehr als die meisten auch nur ahnten.


    Shaya. Geliebte Shaya, die ihn blind verstand, in sein Innerstes sah und doch selbst so verletzlich war. Sie schützte sich durch Freiheit vor Verlust und sah nicht was sie genau dadurch verlor.

    Mit ihr konnte er reden, zu jeder Zeit. Eine verwandte Seele, die ein Schicksal teilte.


    Und Calisha. Um sie kreisten seine Gedanken am meisten. Sie hatte soviel zu verlieren. Alles was sie sich erschaffen hatte.

    Er konnte ihr das nicht antun. Sie durfte ihn nicht begleiten wenn er ging um Celaine zu töten. Sie durfte nicht alles aufs Spiel setzen für ihn, einen Gecken und Betrüger.

    Ihr so weh zu tun war ihm schwer gefallen, doch es gab keinen anderen Weg.

    Vielleicht war Zorn leichter zu ertragen als das was es bedeuten konnte wenn sie gemeinsam weg gingen und vielleicht beide den Tod finden würden.

    Sie sollte leben. Und sie sollte Glück finden. Egal wie die Sache enden würde.


    Hatte er da schon geahnt was kommen würde?



    Celaine stieß unvermittelt einen lauten Pfiff aus.

    Noch bevor karduum reagieren konnte, ragte hinter ihm Bromm auf und schwang den Hammer.

    Er riss die Hände hoch um seinen Kopf zu schützen, doch bei der Kraft des Hünen ein aussichtsloses Unterfangen.

    "Falsche Schlange!"

    Das waren Karduums letzte Worte in dieser Welt.

    Bromms Hammer und Celaines Schwert fuhren wieder und wieder auf ihn nieder.


    Sein letzter Gedanke galt Cali, er sah sie lächeln, die Flasche heben als ob sie ihm Lebewohl wünschen wollte.

    In einer anderen Welt, geliebte Schnodderschnauze.



    OOC: Chartod von Karduum war vorher abgesprochen, Celaine hat ihn lediglich ausgeführt

    Karduum ma Aárif (ermordet)

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    Rajana. Reisende