Beiträge von Senya

    10. Monat, Tag 07 im Jahre 18.n.A.

    Die Nordländer verhören die Kultistin, die sie gefangen haben. Ich komme gerade rechtzeitig mit meinem Spion dazu. Sie ist hartnäckig, aber scheint unter dem Einfluss des Dämons zu stehen. Erst als die Schuppige irgendetwas anzustellen beginnt, beginnt die Kultistin zu reden. Sie spricht von Vorbereitungen, neuen Anhängern, Sklaven, Folter und einem khitaiischen Untoten ohne Augen. Warum redet sie von jetzt auf gleich? Was hat die Schuppige getan? Ich bin zu unkonzentriert nach all den Tagen, um es richtig zu spüren, richtig zu deuten... Sollte ich ihr je begegnen, sollte ich meinen Geist stärken.

    10. Monat, Tag 08 im Jahre 18 n.A.

    Die Nordländer sammlen sich, ihr Anführer, die Einbrecherin, die Schuppige, der Barbar, der Aesir mit seinen Gefolgsleuten, der Assassine, auf den sie unverhofft vor den Toren treffen und der eine Khitai-Zwilling, die seit kurzem bei den Nordländern wohnt. Sie machen sich auf in Richtung des Dschungels, um jenen Turm mit den Büchern zu plündern, den sie nicht wiederfinden. Meine Spione sind bei ihnen.

    Statt auf den Turm stoßen sie auf die lemurische Ruine, die zuvor durch die diebischen Khitai geplündert wurde. Die Kerzen im Zimmer mit der Notiz, die noch immer dort liegt, sind herunter gebrannt. Die Kohlebecken brennen, das Portal zur Toten Stadt ist geschlossen, auch das andere. Sie entdecken bei ihren Erkundungen die Tür zum Aufgang hoch in das Untergeschoss, doch schaffen es selbst mit Waffengewalt nicht, sie aufzubrechen.

    Schließlich klettert der Assassine geschickt die Mauern hoch, hangelt sich an Ranken und Efeu nach oben und bricht oben einige der Dachschindeln heraus, die die Ruine bedecken. Durch das Loch gelangt er hinein, gefolgt von der Schuppigen und der Einbrecherin. Die drei erkunden die obere Etage, entdecken den Raum mit der zerbröselten Statue, in der nur noch das Schwert, kleine Steine und Sand und Staub von ihr zeugt, die Schalen, die brennen. Die Feuerschalen um das Podest lassen sich nun händisch löschen und entflammen, sodass die Barriere sich wieder aufbaut, wächst oder schrumpft, unnötige Spielerei. Die Tür nach aussen lässt sich nicht öffnen - was fehlt, ist der Windstein, den sie nicht haben. Unverrichteter Dinge versuchen sie wieder hoch zur Öffnung des Daches zu klettern, aber die Schuppige scheitert daran. Mit vereinten Kräften, einem Gürtel von oben, Hochstemmen von unten und einem beherzten Sprung gelangt es ihr schließlich hoch, wobei sie oben ausrutscht, herunter gleitet und in den Matsch fällt, der sie über und über besudelt.

    Sie marschieren durch den Dschungel, auf der Suche nach dem Schwarzen Turm, finden ihn nach gefühlten drei Dutzend Kreisgängen und die Tür, die ehemals eisern verschlossen war, lässt sich nun öffnen.

    Sie gelangen ins Studierzimmer, nehmen einige der Bücher mit, die Schriftrollen, die sie später studieren wollen, und mustern die geisterhafte Erscheinung, die sich über dem Tisch beugt. Gab die Gestalt anfangs kein sichtbares Zeichen von sich, die Anwesenden bemerkt zu haben, bohrten sich seine Augen nun einzelnd in diejenigen, die vor ihm standen. Mit Namen sprach er sie an, warnte sie, dass sie hier nichts zu suchen hätten und kehrte dann in einen Zustand zurück, in dem er nichts anderes mehr wahrzunehmen schien. Die Khitai konnte ihn berühren und die Schuppige sprach ihn direkt an - doch die Gestalt begann dann sich in Nichts aufzulösen.

    Der Raum mit dem Portal war leer, der Raum mit den Knochen löste nur kurzes Unbehagen aus. Oben im Raum mit den anderen geisterhaften Gestalten entdeckten sie die Notiz mit den Worten, das dreifach ineinander geschlungene Rätsel, dessen Lösung die Khitai kannte. Aber es war die andere Frau, die die Lösung nannte, den Zauber und das Portal aktivierte... Ohne sich dagegen wehren zu können wurden sie eingesaugt und landeten ... in den Ruinen, die sie zuvor verlassen hatten, nur dass sie nun allesamt im Obergeschoss waren. Die Tür bei der Treppe weigerte sich auch nach den vereinten Bemühungen aufzugehen und diejenigen der Gruppe, die sie aufzubrechen versuchten, holten sich nur blaue Flecke.

    Mühsam gelang es der Gruppe, die Wände wieder herauf zu klettern, sie unterstützten sich, stiegen einander auf die Schultern und es dauert lange, ehe sie oben waren.

    Danach schien die Gruppe genug zu haben und kehrte wieder in den Norden zurück, als Beute die Bücher und Rollen, ein paar blaue Flecke und viel Matsch an und in den Klamotten.

    10. Monat, Tag 09 im Jahre 18 n.A.

    So viel passiert im Exil, dass ich nicht alles erfassen kann. Ich fühle mich erschöpft, meine Spione überall zu entsenden, die Kräfte aufrecht zu erhalten, die dafür notwendig sind.

    Dennoch bekomme ich mit, was im Tempel geplant wird. Die liderliche Priesterin will die Herrschaft zurück. Die andere hat alles vorbereitet, Weihrauch, Lotus und Kissen... Unmengen an Kissen. Es scheint genug Teilnehmer für das zweigeteilte Ritual zu geben, das die verdorbenen Schlangen Derketos symbolisiert. Das erste soll die ganze Nacht dauern. Während sie sich der Unzucht hingeben und ich dem nicht zusehen will, folge ich der Alkolythin in ihr Gemach, beobachte sie, wie sie sich den Lotus-Träumen hingibt. Sie träumt scheinbar unruhig... ich sehe sie oft schlafen und höre immer wieder etwas von Augen in Kuth, die sich öffnen sollen. Ich weiß damit nichts anzufangen. Ist es etwas Rituelles? Ein Gebet? Träumt sie davon? Es scheint mit der Pagode der Ewigen Lust zu tun zu haben, die sie einst besuchte, mit der lemurischen Hohepriesterin ihres Glaubens.

    Ich sehe, wie sie sich hin- und herrollt. Nein, hier erfahre ich heute Nichts mehr, daher breche ich die Verbindung zu meinen kleinen Freunden ab und lege mich ebenfalls schlafen.

    10. Monat, Tag 11 im Jahre 18 n.A.

    Ich sehe, wie der Aesir und eine der Khitai-Zwillingen in den Tempel gehen. Die Priesterin führt sie in den Keller mit den vielen Schädeln und Knochen. Ich bekomme es gerade noch mit, ehe die Tür schließt und lasse meinen kleinen Freund schnell mit hinein huschen.


    Das Licht ist dunkel hier unten. Man sieht hunderte von Schädeln und Knochen, die fein säuberlich aufgehängt sind und leise klappern, wie von unsichtbarer Hand angestoßen und bewegt. Es ist unheimlich hier. Die Priesterin holt ein Fell und die drei setzen sich inmitten der Knochen auf den Boden. Mein Spion krabbelt in den Schatten und im Dunkeln über die kalten, dunklen Steinfliesen, auf denen ich hier und da noch Überreste von getrocknetem Blut ausmache.


    Die Priesterin wirkt ungewöhnlich ernst, sie spricht und redet, scheint die anderen über Risiken zu belehren, vielleicht gar zu warnen. Dann zieht die Khitai die Handschuhe aus. Ich sehe im fahlen Licht Hände, deren Haut verätzt oder verbrannt - oder vielleicht beides scheinen. Die Priesterin befühlt diese, tastet gar hoch zu den Armen und Ellenbogen, die nicht besser auszusehen scheinen. Die Khitai muss schreckliches mitgemacht haben. Die Priesterin erhebt sich hernach, holt einen ledernen Beißriemen, ein Messer und schneidet sich über die eigene Handinnenfläche. Blut fließt. Ich nehme den kupfrigen Geruch wahr. - Schließlich beginnt die Priesterin zu intonieren. Die Schatten scheinen sich um sie und ihre Hände zu sammeln, bilden ein Geflecht, was die andere und sie zu verbinden scheint. Es wirkt grässlich, fremdartig... Die andere beginnt Schmerzen zu erleiden. Die Athmosphäre wirkt geladen und auch der Aesir, der Begleiter der anderen, wirkt angespannt. Ich bin mir nicht sicher, ob er kurz davor ist, die Priesterin anzugreifen, weil sie - ausgerechnet jene, mit der er einst selber "verheiratet" war - seiner neuen Gefährtin wehtut - oder ob er Etwas bemerkt, das meiner Aufmerksamkeit entgeht.


    Wie ich merke, scheint eher letzteres der Fall zu sein, Leute betreten den Keller. Es werden immer mehr, die näher kommen. Ihre Gesichter versteifen sich, werden von besorgt zu wütend, angsterfüllt und hassend zugleich, als sie die Verbindung der beiden Frauen sehen. Der Aesir springt auf, Wachen kommen - fast wirkt es, als würde es zu einem Kampf eskalieren, dann spricht die Priesterin, halb aus der Konzentration gerissen, spricht eine Warnung aus und ein Teil wendet sich ab und geht, während der andere Teil mit düsterer Faszination dem zusieht, was sie macht.


    Auch ich wende mich dem Geschehen wieder zu und bin erstaunt. Etwas ändert sich... rötliche Funken glimmen auf, schweben um die Hände der beiden, vereinen sich und was auch immer die Priesterin in all der Zeit, in der die anderen wie auch ich zuschauen, macht... es ist ein Wunder. Die Narben glätten sich langsam, die Sehnen und Muskeln scheinen einwandfrei zu arbeiten und sich zu bewegen. Fast möchte man meinen, dass die Hände wie neu erscheinen, während da nicht die feinen Umrisse, anhand derer die Stellen, an denen die Narben saßen, noch erkannbar sind.


    Die Priesterin selber beginnt immer mehr und mehr zu zittern. Ihre eigenen Hände wirken verkrampft und fast so, als würden ihre Sehnen nun das Schicksal erleiden, dass die Khitai vorher heimgesucht hatte.


    Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen ist, aber irgendwann sind sie fertig, freudig... sie reden mit jenen, die noch da sind, während die Priesterin einen Schwächeanfall erleidet. Ich höre immer lauter werdende Schritte. Jemand nähert sich. Ich will meinen Spion wegkrabbeln lassen, doch dann bricht die Verbindung ab.


    Ich seufze schwer. Ich schätze, dass auch dieser kleine Freund das Ende seines irdischen Lebens gefunden hat.

    10. Monat, Tag 05 im Jahre 18 n.A.

    Es ist wieder einer dieser Tage, an dem der Markt seine Pforten öffnet. Sie treffen zusammen am Schmelztigel des Exils. Vermummte Männer spielen mit ihren Klingen, Bogenschützen stehen auf Türmen, mit demonstrierte Stärke beweisen sie nun die Neutralität, die später auf die Probe gestellt wird.


    Ich sehe die Belegschaft des Tempels, den Holzfäller, der dort einzog, die liderliche Priesterin, eines der Lustmädchen - aber auch die kleine Stygierin aus Berglund, die Khitai-Zwillinge, einer davon, die Schneiderin, einen Barbaren - später zwei, den Priester des Min Koptos, der Aesir und andere... Worte werden gewechselt, Provokationen folgen. Wo beteuert wird, dass man einig sein sollte, wird das Gegenteil angestrebt und schließlich erhebt sich die liderliche Priesterin und gießt in voller Absicht Wein über das Haupt der Schneiderin, wendet sich mit gespielter Unschuld über das "Versehen" ab und geht zum Brunnen, während der Barbar neben der Schneiderin die Ehre der Maid zu retten versucht, die andere als Hexe bezichtigt und mit der Axt auf sie zu stampft. "Derketo-Hexe", brüllt er, schnaubt er, bereit, die Frau vor sich zu zerteilen.


    Eine weitere Frau, die sich zugesellt hat von den Nordländern greift ein, der Alchemist, ebenso neu am Tisch, erhebt sich rasch, die Situation droht zu eskalieren und ich fiebere mit. "Schlag zu! Schlag zu!", denke ich mir. "Reinige das Exil von ihr. Möge Mitra die Hexe verbrennen und läutern in seiner ewigen Weisheit".


    Doch die Wachen greifen ein, verhindern ein Blutbad und die Worte werden leiser, sodass ich sie nicht verstehe. Schließlich wendet sich der Barbar ab. Ich sehe die Tempelvorsteherin, die Neue, wie sie Worte mit der Priesterin wechselt, dem Lustmädchen, dem Alchemisten, sie sondern sich ab, ziehen sich dann ohne das Mädchen und den Alchemisten zurück und reden.


    Die Schneiderin reinigt derweil am Fluss ihre Kleidung. Die Khitai reden mit den Nordländern. Ich hätte mehr Augen und Ohren gebraucht... ich bekomme nicht alles mit.


    Später sehe ich, dass die Priesterin mit den Khitai redet.


    Jene, die bei den Khitai wohnt, aber keine ist, entfacht Getuschel. Es heißt, der Windstein wurde gefunden... ein Artefakt unendlicher Macht... Übertreibungen, Gerede Ahnungsloser... und doch ist der Funken darin wahr. Ich sehe Gier in einigen Augen funkeln. Ob das eine gute Idee wahr? - Ich ziehe mich zurück, als sich die Leute verstreuen, streichle meinen kleinen, pelzigen Freund. So viele Dinge zu bedenken...

    Fortsetzung:
    Kurz darauf finden sich die Khitai und ich woanders wieder. Lemurische Strukturen, aber keine Fenster, keine Treppen... Das Portal hinter ihnen verschwindet. Gefangen! Vor ihnen ein Raum mit 9 Feuerschalen, ein weiterer mit einem Podest, auf dem unter magisch anmutender Kuppel ein grüner, durchsichtiger Stein liegt, in dessen Inneren sich Etwas wie lebendig bewegt, hin- und herwirbelt, wie kleine Körner in einem Wasserglas, das kreisend geschüttelt wird. Vier Feuerschalen sind darum. Nur eine brennt.

    Im letzten Raum befindet sich eine überdimensionale Statue eines Wächters, der grimmig aber leblos mit scharf aussehnder Waffe in Händen auf die Gruppe herab starrt. Die Gruppe beginnt die Räume zu untersuchen, dann, im ersten Raum mit den Feuerschalen, von denen einige brennen, andere nicht, zu spielen, lösen die Fackel an der Wand und entzünden die Schalen, wobei einige angehen, andere aus. Es dauert, scheint wie ein Muster zu sein, das sie ergründen müssen, ehe alle Schalen brennen und im Raum mit dem Podest wie von geisterhand eine zweite der vier Schalen entflammt.


    Als sie den Raum mit dem Podest näher erkunden, finden sie eine versetzte Fackel, die sich herunter drücken lässt, und wie von Zauberhand entbrennt eine weitere Schale. Die Barriere senkt sich, wird dünner... der Stein greifbarer.




    In dem Raum mit der riesigen Statue scheint sich nichts ausser der Statue zu befinden. Die Augen wirken etwas anders geschliffen, vielleicht sind sie von Wert. Die Gruppe sammelt sich in dem Raum, untersucht die Wände, den Boden. Einer versucht gar, die Statue zu erklimmen, ehe die Statue ihn plötzlich abschüttelt und zu Boden schleudert. Sie beginnt sich zu bewegen, lebendig geworden, während sich die Türen hinter der Gruppe schließen und ein fürchterlicher Kampf beginnt!

    Befehle werden gebrüllt, Pfeile abgeschossen, die sich mit ihren metallenen Spitzen in die lebendig gewordene Statue bohren, die oberste Steinschicht durchdringen und stecken bleiben, als hätten sie Fleisch getroffen. Das große Schwert saust durch die Luft, flirrend, schneidend, doch verfehlt es. Klingen schlagegen gegen die Statue, weitere Pfeile sirren. Jemand schleicht sich von hinten heran, attackiert die Kniekehlen. Der Kampf wogt hin und her, und dann fällt der Riese, Risse im Stein, leblos wieder und kaum mehr wie Stein. Der herrische Khitai wirkt einen Zauber, die Risse verbreitern sich, die Statue wird sprichwörtlich gesprengt. Es bleibt kaum mehr zurück als kleine Steine, Sand und Staub... und das riesige Schwert als stummer Zeuge des Geschehens.


    Im Nebenraum fällt die Barriere hinab, löst sich auf und gibt den begehrten Stein frei, den Stein der Winde... Sie nehmen ihn und der Stein passt in eine Vertiefung an der gegenüberliegenden Wand. Diese bricht daraufhin zusammen, eine Treppe freigibt, die aus ihrem Gefängnis führt. Am Fuße der Treppe ist eine massive Tür, die sich leicht öffnen lässt und sich hinter ihnen wieder fest verschließt. Sie sind im Freien, im Dschungel, hinter der Ruine, glücklich entkommen und mit dem gesuchten Artefakt in Händen. Allmählich kehren sie durch den Dschungel zurück zum Fluss, zu den Booten, und kehren nach Hause.

    Ich lasse meine Spione frei und lehne mich zurück, grüble lange nach, über das, was ich gesehen habe...

    10. Monat, Tag 03 im Jahre 18 n.A.

    Die Zwillingsschwestern scheinen sich immer mehr und mehr zerstritten zu haben. Die eine zieht ins Dorf, während die andere immer mehr im Norden zu finden ist. Ich bin erstaunt, was ist stark genug, um die Bande zu trennen, die von Geburt an so inniglich bestehen?

    Gespräche werden im Norden geführt. Es geht darum, gezielt ein Menschenleben zu beenden. Und wieder zeigt das Exil seine unbarmherzige Seite...

    10. Monat, Tag 04 im Jahre 18.n.A.

    Die Khitai und jene Nicht-Khitai, die bei ihnen lebt, sammeln sich. Diesmal bin ich besser vorbereitet, schicke zwei Spione mit, die sich am Gepäck und der Kleidung festhalten und verstecken. Sie reisen in den Dschungel, fahren in Booten den Fluss entlang, bis sie landeinwärts marschieren und die alte, lemurisch wirkende Ruine auf dem Felsen entdecken.


    Sie nähern sich, gehen die ausgetretenen Stufen nach oben, die seit dutzenden von Jahren unberührt scheinen bis auf gelegentliche tierische Benutzer, von deinen den Khitai seine ausgeschiedene Mahlzeit frisch auf der Treppe hinterlassen hat. Einer meiner Spione wird zwar davon angezogen, aber ich festige die Kontrolle über ihn. Das ist keine Mahlzeit und er hat seine Bedürfnisse zurückzustellen. Ich muss sehen, was die Khitai vorhaben, was es mit der Ruine auf sich hat... Es ist wichtig.


    Sie mustern das Gebäude, als es zu regnen beginnt, deuten auf das alte Banner mit lemurischen Schriftzeichen, das wohl "Versammlungshalle" zu heißen scheint. Efeu und Ranken, die sich an den Wänden hochwachsen, sehen aus, als könnte man an ihnen entlang hochklettern, doch ehe ich meinen Überlegungen nachgehen kann, höre ich, wie die Tür splittert. Zwei der kräftigeren Khitai brechen die alte Tür aus den Angeln, die so nachgibt und mit lautem Knall zu Boden kippt. Staub wirbelt auf. Der Regen wandelt sich in windeseile zu einem ausgewachsenen Sturm. - Sie alle treten rasch ein, getrieben von dem Unbill der Natur.


    Im ersten Raum erwarten sie einige uralte Sitzbänke, von Moos und Schimmel überzogen durch eingedrungene Feuchtigkeit. Einer der Khitai, der Herrische, setzt sich auf eine der Bänke, die unter ihm nachgibt und zusammen kracht. Alte Vasen zieren den Raum, eine Statue eines lemurischen Kriegers, bei dem der Kopf fehlt und der Arm abgebrochen ist. Jadestatuen stehen in windschiefen Regalen und wandern, wie ich später feststelle, wohl in irgendwelche Beutel der durchaus diebischen Khitai.


    Sie beginnen das Innere zu erkunden, stoßen auf einen Schlafraum, in dem frische Kerzen brennen. Das Bett sieht benutzt aus, der Schrank leer. Auf dem Tisch liegt ein Pergament, auf aquilonisch... ein Rätselvers.


    Sie prägen ihn sich ein und untersuchen das Gebäude weiter, gelangen in eine große Halle, in dem die Kohlebecken an der Decke brennen, als wären die einstigen Bewohner noch nicht seit Jahrhunderten tot sondern nur kurz nach nebenan gegangen. Drei Throne stehen hinter einem alten, schweren und großém Tisch, wie die herrschaftlichen Sitze eines Tribunals. Eine Schriftrolle liegt auf dem Tisch, scheint - nachdem die Khitai drauf aufmerksam werden- aber nur eine Abschrift und Aufstellung von Abgaben und Steuern zu sein. Vor dem großen Tisch steht ein kleiner runder Tisch, darauf liegt ein Schädel. Er fehlt später... ich bin mir sicher, auch er wurde eingesteckt.


    Es wirkt, als sei der Schädel einer derjenigen, die vom Tribunal verurteilt wurden und nun als Abschreckung dort liegt. - An den Wänden stehen drei steinerne Statuen, besser erhalten. Hier scheint nicht so viel Feuchtigkeit eingedrungen zu sein. Sie wirken wie Wächter, bereit, anzugreifen, doch sind es zum Glück nur leblose Statuen. Der Kamin an der Wand des Raumes ist leer und kalt. Türe zweigen ab zu einer Küche. Alte Fässer stapeln sich dort, Kisten, die untersucht werden und doch nur Jahre- oder Jahrezehnte lang verwesende Nahrung offenbaren, sofern überhaupt noch etwas ausser Schimmel und organisch verwesender Masse übrig ist.


    In einer Ecke spüre ich das Nachbeben von Magie... als ob dort etwas Unsichtbares lauert, das freigelassen werden will. Auf der anderen Seite des Raumes klafft ein Riss in der Realität. Die Khitai besprechen sich, nähern sich, untersuchen beide Stellen, bis schließlich einer von ihnen sich dem Riss zu weit nähert, förmlich hinein gesogen und verschlungen wird. - Die Khitai zögern, beraten sich, aber halten zusammen, gehen einer nach dem anderen hindurch und ich mit ihnen in Form meiner kleinen Freunde.


    Wir fallen etwas ein oder zwei Meter tief, landen weich im Sand. Ich höre das Stöhnen in der Dunkelheit um mich herum. Diffuses Licht dringt von oben und langsam erkenne ich die Schemen um mich herum. Ein alter Keller, wie es scheint, ein großes Weinfass... die Khitai tasten sich zur Treppe, stapfen hinauf und kommen an alten, morschen Schränken und Kisten vorbei, Gerümpel. Als sie ins freie Treten, beginne ich die Umgebung zu erkennen... ich war hier schon einmal... der Turm... die Anomalie. Aber sie... sie kennen all das nicht, erkunden die einzelnen Räume und als wir uns dem Turm nähern, bin ich enttäuscht. Die Anomalie ist weg. Im Turm oben haben die Spinnen ihre Netze neu gewoben und erneut werden diese zerrissen. Unter der Treppe auf einer Kiste finden die Khitai eine weitere Notiz. Ich bin mir sicher, dass diese neu ist... die lag vorher nicht dort. Oben ist das Portal verschwunden. Der Boden wirkt sauber, auf der Kiste liegt ein merkwürdig pulsierender Stein... Es scheint, als könne dieser etwas aktivieren. Die Khitai stecken ihn ein... diebische Khitai! Aber vielleicht nutzt es etwas, irgendwo. Ich frage mich, wie der Stein herkommt. Warum ist der Riss weg? Jemand war hier, definitiv.


    Die Khitai beginnen den Keller zu entdecken, finden die Knochen von dem Ding, das wie ein Altar aufgebaut ist... sie winden sich durch die Gänge, gelangen zum Lager und in den Raum mit dem Beschwörungskreis, der nun halb verwischt ist. Ich weiß nicht, was sie tun, an der Wand prangt ein neues Portal... der Riss schimmert rötlich, unheilsschwanger, und je weiter sie sich nähern, umso lauter werden andere Geräusche... Sand und Staub rieselt von oben herab, dann prasseln Steine hinunter, alte Stützbalken brechen ein, Wände fallen zusammen. Die Gruppe nähert sich dem einzigen Ausgang und dann geht alles rasend schnell. Der Keller scheint zusammen zu brechen und die Gruppe flüchtet durch den Riss, ohne eine andere Alternative zu haben.


    Ich höre befreites Lachen, als wir durch den Riss sind. Es fällt mir schwer, die Kontrolle über meine Spione aufrecht zu erhalten, die sich in der Welt an verschiedenen Orten innerhalb weniger Herzschläge aufhalten. - Wir stehen wieder in der Küche in den alten Ruinen, in der anderen Ecke. Und hinter uns tut sich ein Riss auf, nicht jener, der uns ausgespuckt hat, ein anderer, der auf den pulsierenden Stein reagiert. Ein kurzer Augenblick nur, ehe wir wieder eingesogen werden. Welch grausames Spiel der Götter!


    Ich muss aufpassen, ich beginne mit der Gruppe zu sympathisieren, die ich beobachte, und doch bin ich kein Teil von ihr. Ich beobachte nur, lausche. Die Khitai landen in einem kleinen, runden Raum, ein Turm, wie sich später herausstellt. Unten befindet sich eine Schlafkammer, gefüllt mit Büchern und Schriften. Die diebischen Khitai lassen eine Karte vom Exil mitgehen, finden einen Schlüssel und ignorieren die Bücher und Schriften ansonsten. Weiter oben finden sie einen Raum, in dem Skelette an der Wand hängen, verhungert. Die armen Teufel. Wer tut soetwas?


    An der Spitze des Turmes stutzen sie. Als sich mein Träger nähert, erkenne ich langsam, warum sie stocken. In der Mitte des Bodes ist der Himmel zu sehen, dutzende Sterne, die sich drehen und die sich bis in den Raum erheben als helle, leuchtende Funken. Dazwischen sieht man drei geisterhafte Gestalten. Ein Mann, der harsche Worte zu sprechen scheint, eine Frau, die kniet und eine zweite, die diese auspeitscht. An der Wand hängt eine Notiz. Wer auch immer hier lebt oder lebte... hat aufgeschrieben, was die Geister murmeln. Und nun scheint es an den Khitai, dies zu übersetzen, zu entschlüsseln... Stunde um Stunde reden sie, raten, rätseln... bis sie den Schlüssel, den sie in ihren Händen halten, entdecken... die Verse... Langsam beginnt es Sinn zu machen, ein Rätsel... in einem Rätsel... in einem Rätsel... es dauert, doch sie lösen es und die Sterne in der Mitte beginnen sich schneller zu drehen, heller zu glühen... Ein Wirbel entsteht, führt direkt ins Herz des Kosmos, wie es scheint, Wind kommt auf, wirbelt und saugt sie alle näher, wie ein schwarzes Loch, das alles verschlingt, was in seine Nähe gerät.

    <to be continued>


    10. Monat, Tag 01 im Jahre 18 n.A.

    Die Priesterin bringt eine Schriftrolle zu den Khitai in Begleitung des Alchemisten.

    10. Monat, Tag 02 im Jahre 18 n.A.

    Kaum ein Tag vergeht, ehe ein Bote der Khitai zum Tempel eilt. Kurze Zeit später verlassen der Alchemist und die Priesterin den Tempel, eilen zum Portal, gehen über den Marktplatz und stoßen dort auf den Jäger, den sie mitnehmen. Bei den Khitai angekommen begrüßt sie der Anführer. Durch meine Augen, die ich dort platziert habe, sehe ich, dass der Anführer gewütet haben muss. Zudem tropft es an seinem Arm entlang. Später sehe ich die Wunde. Die Priesterin säubert sie im Beisein der anderen beiden Männer. Die Wunde sieht aus, als hätten sich Klingen von innen nach außen durch die Haut gebohrt. Ich beschließe, den Mann als potentiell gefährlich einzustufen.

    Dann reden sie, reden über die Schriftrolle, über das Ritual, Wege, wie der Dämon hinaus gelangt und wie verhindert werden kann, dass andere Dinge von außen dabei hinein kommen... Mein Spion hört zu schlecht... Ich sollte die Nager nehmen.


    +++an anderem Ort+++

    Ich habe einen Spion dem Söldner hinterher geschickt, der nun in der verbrannten Burg wartet. Seine Beharrlichkeit wird wenige Tage später - heute - auch endlich belohnt. Der blonde Hüne erscheint, es kommt zum Kampf auf Leben und Tod. Ich bemerke, wie ein weiterer Aspirant sich der Burg nähert, den Kampfeslärm zu hören scheint und mit seinen beiden Begleitern, einem Mann und einer nordischen Frau die Tür aufbricht. Er verschafft sich einen Überblick über die Situation, während der Söldner tötlich getroffen zu Boden geht.

    Der Blonde sieht zum Aesir, Worte werden gewechselt. Der Blonde scheint zu denken, der Aesir gehöre zum Söldner und greift an, statt auf das Angebot einzugehen, sich statt dessen zu ergeben. Heftig werden die Schläge ausgetauscht, Blut fließt und schließlich geht der Blonde selber zu Boden, bewusstlos.

    Der andere nimmt ihn mit zum Lager. Dort habe ich mehr Augen und Ohren. Ich bin erstaunt, als die eine Khitai-Schwester erscheint, die Heilkundige, und den Blonden versorgen soll. Sie scheint sich schließlich zu überwinden, versorgt die Wunden und trauert um den Söldner, der fiel.

    Als der Blonde wieder zu sich kommt, fängt er an, alle zu beleidigen, kassiert dafür einige stählern-behandschuhte Ohrfeigen und wird schließlich mit einem alchemistischen Mittel ruhig gestellt.

    9. Monat, Tag 22 im Jahre 18 n.A.

    In der nächsten Dunkelphase wird ein Beutel über die Mauern des kleinen Dorfes geschleudert. Wie ein Ball kullert er durch die Gasse zwischen den Häusern und kommt dann irgendwo bei einer der Treppen zum Liegen. Der Beutel ist aus einfachem Leder, darin jedoch ein gruseliger Fund. Man sieht den Kopf einer weiblichen Gestalt mit länglichen Augen, khitaiisch. Wer sie kannte, wird sie wieder erkennen. - Die Zunge fehlt, statt dessen befindet sich ein zusammen gerollter Zettel darin. Darauf steht mit Blut geschrieben:

    Code
    1. "Das passiert, wenn man sich mit den Huren Derketos einlässt... Liefert den Kopf an die Khitai am Fluss. Sie werden sie vermissen..."

    Die Wachen können vielleicht noch eine schwarzgekleidete Gestalt mit Kapuze erkennen, die sich rasch in der Dunkelheit entfernt.

    09. Monat, Tag 27 im Jahre 18.n.A.

    Meine Augen und Ohren berichten mit wieder... Oben im Norden, bei denen, die die Sklaven jagen, tritt das Weib mit ihrer Raubkatze ins Lager, in Begleitung eines wohl gezähmten Wolfes. Sie muss ein erstaunliches Talent mit Tieren haben, denn die beiden Tiere vertrugen sich. Der Wolf ist wohl ein Geschenk für den Aesir, der dort lebt. Die Blicke der liderlichen Priesterin sind einmalig. Sie scheint den Wölfen als Haustier eher abgeneigt zu sein. Am Tisch berichtet der Aesir über die Neuigkeiten, die Schuppenfrau und die Priesterin streiten. Die Worte sind undeutlich, überschneiden sich. Der Alchemist kommt noch dazu. Ich verstehe nicht, was genau passiert, aber die Priesterin erhebt sich, geht nach oben und kommt kurze Zeit später mit einem Beutel wieder. Weitere Worte werden gewechselt. Ein Streit? Weint sie? Sie geht, der Alchemist folgt ihr und kehrt doch nach kurzer Zeit wieder, sich irgendwie seltsam verhaltend, als wäre er nicht ganz bei sich. Was hat sie getan?

    Ein anderer Spion in der Nähe des Tempels zeigt mir eine ganze Weile später die Priesterin. Ein Tiger will sich auf sie stürzen. Ich sehe, wie sie beginnt, finstere Magie zu beschwören, aber ein kräftiger Mann eilt ihr zu Hilfe, durchbohrt den Nacken des Tigers mit einem Hieb und pfählt ihn so mit seinem Schwert.

    Dann stößt der Alchemist dazu und gemeinsam gehen sie in den Tempel.

    09. Monat, Tag 30 im Jahre 18 n.A.

    Die Tierfrau und eine weitere Frau und ein Mann vom Lager aus dem Norden beobachten Lortaks Lager. Es ist der zweite Tag, wo sie in den Büschen hocken und beobachten, wie immer mal wieder kleine Truppen mit Eimern und Bottichen los ziehen, um Wasser zu holen, wie kleine Jagd- und Plündertrupps losziehen.


    Ein Trupp kommt mit Sklaven zurück und die Drei locken die Kultisten in eine Falle. Es kommt zum Kampf und schlussendlich können sie eine Gefangene nehmen, eine jener Dienerinnen dieses unheimlichen Schwarzen.


    Die Leichen lassen sie von der Raubkatze anknabbern, schleifen sie zu einem Wolfsbau und tarnen den Überfall als Angriff der Wölfe. Geschickt... ich bin gespannt, was sie herausfinden. Ich sollte einen meiner kleinen Freunde hinschicken, der bessere Ohren hat, sodass ich es richtig hören kann. Mein kleiner, pelziger Freund, was ist mit dir?


    Später kommt jener, der die liderliche Priesterin vom Tiger gerettet hat vorbei, er erkundigt sich nach dem blonden Hünen, der einen der Zwillinge entführt hatte. Ihm wird der Weg zur abgebrannten Burg gewiesen und wie es scheint, will er dort warten, die Gier nach seinem Sold in Augen.

    9. Monat, Tag 20 im Jahre 18 n.A.

    Eine kleine Gruppe, bestehend aus einem Mann und einer Frau aus dem kleinen Bergdorf, der Alkolythin der Derketo und dem Alchemisten brechen auf für eine Reise in den Dschungel. Durch Zufall habe ich es mitbekommen und eines meiner Augen begleitet sie. Sie werden von Insekten geplagt, die sie stechen, riesigen Laufvögeln, die sie angreifen, wenn sie in ihr Revier dringen, durchtränkt von den monsunartigen, wenn auch kurzen Regengüssen in der sonst tropischen, schwülen Wärme.

    Sie nähern sich alten Ruinen, beginnen sie zu untersuchen, lemurianische Schriftzeichen, alt und verwittert. Ich erkenne die Ruine und versuche, dem Gespräch und ihren Erkenntnissen zu folgen, doch sprechen sie zu leise und mein Spion ist nicht der beste Lauscher. Ihn jetzt auszuwechseln, wäre zu Kräfteraubend.

    Also versuche ich mein bestes im Lippenlesen und scheitere letztlich doch. Zum Glück zieht die Expedition weiter und sie folgt den ausgetretenen Dschungelpfaden, bis sie an einem riesigen Torbogen auf zwei steinerne Wächter treffen. Der Rechte beginnt sich plötzlich - lebendig geworden - zu bewegen und versperrt den Weg. Er stellt ihnen eine Rätselfrage, doch die Gruppe scheint sich recht bald ihrer Lösung sicher zu sein. Der grimmige Wächter nickt und gibt den Weg frei, tritt zurück an seinen Platz und schon scheint es, als sei nie etwas gewesen. - Ich versuche mir die Lage zu merken. Diese ominöse Statue will ich untersuchen.

    Die Gruppe geht weiter, biegt gen Süden ab und schlägt sich durch Affenverseuchtes Gebiet, bis sie dann auf der anderen Seite eines kleinen Flusses endlich die Pagode der Ewigen Lust erspähen, die sich auf einem Plateau direkt an den steinigen Klippen in den Schatten einer alten Ruine schmiegt.

    Sie werden dort von den Wachen empfangen, die alles andere als freundlich aussehen, sie aber nach kurzem Wortgeplänkel hineinlassen. Mein Auge folgt ihnen, die gesprochenen Worte kommen bei mir nur als Klangbrei an. Mein Auge setzt sich auf einer nackten Schulter ab, dann bricht die Verbindung ab, als eine Hand sich rasend nähert. KLATSCH.

    9. Monat, Tag 21 im Jahre 18 n.A.

    Mein sechsbeiniger Freund fliegt durch die Luft, krabbelt dann über den Boden... folgt mal der, mal dem, bis ich auf eine interessante Szene stoße. In der alten Arena, in einem der Räume unter der Tribühne, sammeln sich jene aus dem Norden, die die Sklaven jagen, ihnen gegenüber Khitai, mit geschlitzten Augen. Sie setzen sich auf Stühlen gegenüber, gesittet, am Rand, wie unbeteiligt, die liderliche Priesterin.


    Worte werden gewechselt, immer hastiger und schneller. Ich bekomme nicht mehr alles mit, als die ersten durcheinander zu reden beginnen. Sie streiten sich... oder lösen sie einen Streit? Es geht um vergangene Ereignisse, einen Mord am Markt, Entschädigung, verloren gegangene Briefe, verloren gegangene Nachrichten, Ignoranz, Arroganz, Schuldzuweisungen. Die Priesterin, die vermitteln sollte, schweigt. Entnervt? Resigniert? Hier und da erhebt sie das Wort, versucht zu schlichten, doch auch die Anführer greifen immer mal wieder ein, bis schließlich eine Einigung erzielt wird, nach Stunden, wie mir scheint.


    Lediglich die Augen der Priesterin funkeln zornig, noch ehe der abschließende, versöhnende Handschlag folgt, wendet sie sich ab und geht, verlässt den Markt und verschwindet in der Dunkelheit.

    9. Monat, Tag 15 nach Mitternacht, im Jahre 18 n.A.

    Die Nacht war unruhig. Trommelklang am Fluss so begann die dunkle Nacht. Plötzlich leuchtet es hell auf um Tahonkas Brauerei am Fluss. Schreie erklingen erst wilde Kriegsschreie dann die Schreie von verletzten und sterbenden. Es brennt.... die Brauerei brennt. Es ging sehr schnell und dann Stille in der Nacht.

    Der Morgen zeigt ein Bild der Zerstörung. Die Brauerei zum Teil abgebrannt. Pflanzenkörbe umgeworfen oder einfach herausgerissen. Die Bienenstöcke umgeworfen. Das Backhaus abgebrannt nur noch der Ofen steht in den Ruinen. Die kornsäcke wurden zum Teil gestohlen oder einfach aufgrissen. Die Banner heruntergrissen, in den Dreck getrampelt oder ins Feuer geworfen. Die großen Braufässer wurden aufgeschlagen und das Bier sickert in den Boden bezw. ist wohl in den Fluss geflossen. Fässer liegen zum Teil umgeworfen herum. Eine sind in den Fluss gerollt. Ein paar Tote liegen herum. Wohl zwei von Tahonkas Arbeitern und drei tote Darfari sind in dem ganzen Chaos zu finden. Das Heiligtum von Jhebbal Sag wurde geschändet, entweiht mit dreckigen Darfari Schmierereien bekritzelt. Die Symbole der Totemtiere zum Teil heruntergerissen, von Fackelfeuer angesengt oder einfach nur beschmiert. Dinge wurden herum geworfen so liegt eine der großen Trommeln zerborsten in dem heillosen Chaos am Altar. Der Opferstein wurde ebenfalls beschmiert und Ritualutensilien einfach umgeworfen. Die Darfari haben die Köpfe der beiden toten Arbeiter auf Pfähle gespießt als Warnung und ihre widerlichen Windspiele zu ehren Yogs aufgestellt.

    Die Leichen der drei toten Darfari liegen teilweise übel zerrissen von großen Zähnen um das Heiligtum von Jhebbal Sag herum..... sie wurden wohl von Krokodilen angegriffen denn der Boden und das Gras ist von den Tieren aufgewühlt worden.


    9. Monat, Tag 16 nach Einbruch der Nacht, im Jahre 18 n.A.

    Auch in dieser Nacht erhellen Lichter das verwüstete Gelände unten am Fluss und wieder ziehen Lichter hinab aus dem Dorf Berglund. Doch trifft man dieses Mal auf keine Feinde. Wölfe, die auf eine junge Frau des Dorfes recht entspannt reagieren und Leute, die noch verwendbares zusammensuchen, um es zu Tahonka zu bringen. Freundliche Worte werden gewechselt und Hilfe wird angeboten, bevor die Dorfbewohner wieder nach Hause gehen. Wohl wird das Anwesen nicht so wieder aufgebaut werden und so mancher denkt in dieser Nacht an das kürzliche Fest dort unten...

    9. Monat, Tag 08, im Jahre 18.n.A.

    Ich blicke durch die Augen meines Spiones beim Tempel. Ich sehe, wie ein in aquilonischer Rüstung gekleideter Mann mit der Priesterin auf den Armen zum Tempel eilt, gefolgt von einer Frau. Der erste Wächter tritt in mein Blickfeld, die tätowierte Frau ebenso. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber immerhin scheinen alle den Ausflug überlebt zu haben, auch wenn die Priesterin bewusstlos zu sein scheint. Sie wird auf den Altar gelegt und ich sehe, dass die Anwesenden diskutieren.

    Eine weißhaarige Frau mit Zeichen im Gesicht nähert sich, dann eine Blonde, nordischer Herkunft. Ich sehe, wie sie näher treten, sie alle sprechen durcheinander und aufeinander ein. Der erste Wächter kümmert sich um die Priesterin, die, wie ich nun bemerke, sichtlich abgemagert ist.

    Ich versuche, näher heran zu krabbeln, bin aber nicht gewahr, dass mein Spion die Aufmerksamkeit eines anderen Jägers erregt. Das Gesetz des Stärkeren greift und mein kleiner, krabbelnder Freund wird Beute eines anderen. Die Verbindung bricht ab und mehr vermag ich nicht herauszufinden, was dort vor sich geht.

    9. Monat, Tag 14, im Jahre 18 n.A.

    Die Schamanin suchte sich einen geeigneten Platz oberhalb der Holzfestung der Kultisten zwischen den alten Steinen einer Ruine. Als erstes stellte sie den Schamanenstab auf. Aus Knochen befestigte sie daran ein Windspiel. Danach stellte sie die Schale neben sich ins Gras und schnitt die frischen Fleischteile des Wildkaninchens als Opfergabe hinein. Noch leicht blutig waren sie. Dann begann sie mit ihrer Anrufung.

    Die Anrufung ging über in einen Singsang für den Außenstehenden klang es jedenfalls so unverständlich doch der Rabe hörte die Stimme der alten Sprache Jhebbal Sags. Er folgte dem Ruf so geschwind wie ihn seine Flügel tragen konnten und dort angekommen verschlang er dann gierig die Opfergabe um sich zu stärken. Als er satt war hüpfte er dann neugierig auf ihre Hand und lauschte den Wünschen der Schamanin. Sie trug ihm auf zu der Holzfestung der Zweibeiner unten im Tal zu fliegen und sie bis zum Einbruch der Nacht zu beobachten und ihr dann zu berichten wie viele Zweibeiner er dort entdeckt hätte. Sie streichte ihm über den Kopf und schwang ihn dann hoch in die Luft und zeigte ihm mit der Hand die Richtung an.


    ++++++Andernorts++++++

    Vor Morgendämmerung

    Noch bevor es hell wird, hat sich die Anhängerin Wiccanas schon reisefertig gemacht, die Fellsachen angezogen und den warmen Turban gebunden. Sie ist aufgewühlt, mit der Wache im Gang vor der Unterkunft tauscht sie belanglose Worte, die sich auf das Haus des Aesirs und seiner Leute beziehen. Nachdem sie das Gebäude verlassen hat, schüttelt sie sich wie ein nasser Hund, das kommt ihr womöglich bildhaft in den Sinn und sie muss lächeln. Jetzt muss sie nur noch die Brücke überqueren und die letzte Türe passieren. Wachsam beobachtet sie die Wachen, die genau wie die schwarzen Drachen in Tarantia gerüstet sind.

    Ihr Herz ist schwer, so spricht ihr Blick und sie selbst bemerkt das nichtmal. Aber sie hat jetzt nur ein einziges Ziel.

    Nachdem sie durch die letzte Tür geschlüpft ist, nicht ohne der verdutzten Wache ein geschmeidiges Lächeln zu schenken, macht sie sich in Eile auf, um nach Hause zu laufen. Sie hofft, ohne Schwierigkeiten dort anzukommen und dann würde sie das tun, was ihr unter den Nägeln brennt.

    9. Monat, Tag 07, im Jahre 18 n.A.

    +++Andernorts+++

    Es war Nacht. Der Blutmond war noch nicht lange vergangen, jedoch schien die Luft unheilsschwanger geladen zu sein, als würde ein Unwetter in der Luft liegen. Die Wachen sahen sich immer wieder um. War dort etwas? Jemand? Ein ums andere Mal war der Fuß schon gesetzt, um sich abzuwenden und Alarm zu schlagen, doch genauso oft war es nur eine Sinnestäuschung, die den gereizten Nerven der Khitai einen Streich spielte. Der Drache, der über die Siedlung hinweg geflogen war, war noch nicht vergessen.

    Irgendwo beim Eingangstor schälten sich menschliche Umrisse aus der absoluten Finsternis, die sich aber kaum ins Licht wagten. Sofort wurden Rufe laut “Wer bist du?” - “Was willst du?”…

    Die Gestalt lachte und schleuderte etwas, einen Beutel, mit großer Kraft über die Mauer. Es klirrte und schepperte, der Beutel überschlug sich einige Male, nachdem er auf dem Boden aufgekommen war.

    Eine der Wachen schlug Alarm, die andere rannte hinaus, versuchte den Angreifer, denn als jener wurde die Gestalt nun eingeschätzt, festzunehmen und ihr nachzusetzen, doch die Gestalt hatte sich bereits in die Finsternis zurück gezogen und entfernte sich zunehmend. Die Dunkelheit machte es schwer, ihr weiter zu folgen und so brach die Wache nach einigen Hundert Metern die Verfolgung ab.

    Derweil untersuchte man den Beutel, piekste mit einem Speer hinein und dann… öffnete man ihn, die Hände mit Handschuhen geschützt. Darin befand sich eine - jetzt - zerbrochene Wasserpfeife, die dem verschollenen Anführer gehörte. In der Pfeife befanden sich, blutig zerquetschte Augen. An den Überresten der Wasserpfeife hing ein Zettel, mit rostroter Farbe (Blut!) geschrieben:


    Zitat

    Wer der Heiligen <zensiertes, unflätiges Wort gegenüber weiblichen Wesen mit derketo-gefälligem Fortpflanzungstrieb> hilft, wird das gleiche Schicksal erleiden. Richtet ihr die besten Grüße aus…


    Die Wachen sahen sich gegenseitig an, nachdem sie den Zettel ohne weitere Hinweise auf den Absender gelesen hatten, und überreichten ihn dann an die höherrangigen Anwesenden.

    <Fortsetzung>
    Die Priesterin führt die Gruppe zu einer Stelle in der Mauer, in der ein Gang weiter hinein führt. Überall ist Sand und sie scheint sich sicher, dass der Eingang zu weiteren Gebäuden unter dem Sand vergraben scheint. Die Männer holen die Schaufel, die eigens für solche Fälle mitgenommen wurde und beginnen zu Graben. Ich bewundere die Vorplanungen. Die Vorbereitungen müssen einiges an Zeit in Anspruch genommen haben. Es dauert eine ganze Weile, bis sie auf einen Spalt stoßen. Sand rutscht nach und gibt den Blick frei in etwas, das wie ein Keller aussieht. Nach und nach klettert die Gruppe hinunter in die Dunkelheit und steht in einem Raum, der fast nach einem alten Weinkeller aussieht.



    Ich höre erschrockene Aufschreie, Sand rutscht nach, immer mehr... bis die Lawine zum Halten kommt und sandiger Staub in der Luft liegt. Der Rückweg scheint versperrt.

    Die Gruppe - inklusive diesem großen Skelett, das treudoof der Gruppe folgt wie ein zahmer Hund - sieht sich um und folgt den ausgetretenen Stufen des Kellers nach oben, zu einem provisorischen Lager ausrangierter Dinge. Ein alter Schrank, Kisten, gestapeltes Brennholz... bedeckt mit dem Staub von Jahren und Jahrzehnten. Die Luft ist abgestanden und schlecht. Eine Tür versperrt den Weg, morsch - ein paar Hiebe mit der Keule und sie bricht entzwei, lässt sich aufdrücken und gibt den Weg frei nach draussen. Köstliche, frische Luft! Das Bersten ist laut und die Gruppe untereinander ein wenig uneins, nicht erfreut über die unnötigen Geräusche, die Aufmerksamkeit auf sie ziehen. Sternenlicht scheint auf uns herunter und der Mond erhebt sich blutig rot über allem. Ein schlechtes Zeichen.



    Die Gruppe durchsucht das Anwesen, findet eine alte Küche, einen Waschraum, Werkstätten, einen Raum voller alter Käfige... und einen Bereich, der von bläulichem Knistern abgetrennt scheint. Die Schuppige untersucht es. Es scheint irgendeine Art magischer Anomalie zu sein, die die Zeit selbst beeinflusst. Wie eine zähe Blase durchschreitet die Gruppe nach und nach das Feld. Es ist, als ob für einige Momente alle Bewegungen unnatürlich langsamer wären, ehe sie sich wieder normalisieren. Was mir auffällt ist, dass der Staub auf dem Boden fehlt. Alles sieht sauber aus, die Wände sind in gutem Zustand, als wären sie erst vor wenigen Monaten errichtet worden, anders als die anderen Mauern, wo man sichtlich den Zahn der Zeit gesehen hat, der an ihnen genagt hat.



    Wir hören Stimmen aus einem Raum, zwei der anderen sind schon darin und endlich wagt auch der Träger, hinein zu schauen, sodass ich selber sehe... Zwei Männer stehen dort, einer fein gekleidet, der andere in einfachen Sachen. Sie argumentieren und sehen immer wieder zur Tür, aber sie scheinen uns nicht zu bemerken. Was auffällt sind ihre andersartigen Proportionen. Sie sind größer, langgliedriger, die Köpfe zylinderartig verformt und erinnern mich an die Abbildungen der Statuen, die überall verteilt sind. Acheronier?

    Auch die anderen bemerken, dass die beiden Männer sie nicht wirklich wahrnehmen, sie ärgern sie gar, greifen durch sie hindurch, was die Männer nicht direkt sehen, aber doch irgendwie zu bemerken scheinen. Eine Berührung hier, und der Mann kratzt sich an der Stelle kurz danach. Eine Berührung dort, und er reibt sich den Oberarm. Ich weiß nicht, ob das wirklich eine gute Idee ist... Mit derlei Dingen sollte man nicht spielen.

    Sie durchsuchen die Räume, finden neuartige, exotisch geschmiedete Waffen, irgendwelche Schriften und andere Dinge von Wert. Diese können sie entgegen den Erwartungen berühren, bewegen, einstecken und sie wirken mehr wie Plünderer, als Erkundende, jede Truhe neugierig öffnend, jeden Schrank aufreißend... Sie können von Glück sagen, dass die Bewohner sie nicht wirklich bemerken. Im nächsten Raum liegt wohl der Kommandant des Gebäudes im Bett... in einem weiteren sitzt ein Sklave auf dem Bett. Aber auch hier sind sie mehr Schatten ihrer selbst, als Wesen von Fleisch und Blut.

    Schließlich hat die Gruppe genug geplündert und sie verlassen die Räume, gehen zum Turm und durchschreiten erneut diese magisch-temporale Anomalie. Ich höre das enttäuschte Seufzen und Brummen, als alle Sachen, die sie aus den anderen Räumen - ja, vielleicht gar einer anderen Zeit - mitgenommen haben, zu bläulichem Staub zerfallen, der kurz aufleuchtet und dann verglimmt. Zurück bleibt nichts weiter als Staub, der hier wieder überall Wände und Fußboden bedeckt.

    Treppen führen nach oben und unten, die Gruppe entscheidet sich, nach oben zu gehen. Im nächsten Zwischengeschoss entdecken sie einen Tisch mit allerlei alchemistischen Vorrichtungen und Flaschen und sonstigem Tand. Sie untersuchen die Flaschen, deren Beschriftungen teilweise verblasst sind und stecken ein, was dort steht. Auch die Schriften aus der Truhe nehmen sie mit. Wie ich mitbekomme, sind sie in alt-stygisch verfasst. Kurz blutet mein Herz... was mag dort für Wissen enthalten sein? Und warum muss es an solche Ungläubigen fallen?

    Die Gruppe arbeitet sich weiter nach oben. Dann hörte ich Schreie, sehe selber den Grund dafür. Das nächste Stockwerk ist von Spinnenweben durchsetzt. Rattengroße und äußerst lebendige Spinnen hängen an der Decke und scheinen Grund für die hysterisch zurückweichenden Frauen zu sein. Während die Kämpfer beherzt Teile der Spinnenweben mit ihren Fackeln verbrennen, versuchen die anderen die Frauen zu beruhigen, sodass schlussendlich alle weiter nach oben treten. Oben sehe ich einen Thron und ein blutig-knisterndes Portal. Wie es scheint, war derjenige hier, der die Portale erschaffen hat. Die Gruppe findet einige seiner Aufzeichnungen und nimmt sie mit. Vielleicht ist das der Weg nach draussen?




    Die Gruppe beschließt, noch die Treppen nach unten zu untersuchen, landen in einem Raum, der an einer Ecke von Sand versperrt ist. Man sieht jedoch an einer Stelle einen Türbogen durchschimmern und so schaufeln sie ein weiteres Mal ihren Weg frei.


    Das Kellergewölbe scheint sich unter dem gesamten Anwesen zu erstrecken. Sie stoßen auf Türen, die jedoch - seltsamerweise - wie geölt scheinen. Auch ist der Boden nicht von dicker Staubschicht bedeckt. Kisten stehen herum und werden geplündert, wo etwas verwertbares drin ist. Das Meiste ist zerfallen, durchlöchert und zerstört, aber ein paar Tücher haben es überlebt, eisernes, verziertes Geschirr, Tand - und doch in einer unwirtlichen Welt wie dieser, wo man mit Nichts am Leibe am Kreuz sein restliches Leben im Exil beginnt, von einigem Wert.

    Wir gehen durch einen riesigen Lagerraum, der aussieht, als wäre er noch kürzlich benutzt worden und dann ... gelangen wir in einen größeren Raum. Ich sehe noch komische Zeichen auf den Boden, Kerzen, als unsere Fackeln mit einem Schlag erlöschen. Kurz stolpert die Gruppe orientierungslos in der Dunkelheit weiter, bis ich den Aufschrei einer der Frauen höre. Der Alchemist wirft eine seiner Flaschen und das sich darauf am Boden entlang leckende Feuer lässt erkennen, was der Grund des Aufschreis war. Aus der Wand hat sich ein schattenhaftes Wesen heraus geschält, mit glimmenden Augen, klauenartigen Händen und deformierter Gestalt, zum Angriff ausholend. Die Tätowierte geht zu Boden, ich sehe eine Bewegung aus den Augenwinkel und zwei geisterhafte Umrisse schälen sich aus dem Dunkel, greifen von der Seite an. Sie erinnern irgendwie dunkel an die sprechenden Männer aus der Zeitanomalie. Ob das miteinander zusammen hängt?



    Ich habe keine Zeit, den Gedanken zu verfolgen. Panik bricht aus. Waffen gleiten durch die körperlosen Wesen hindurch. Der Träger versucht dem Kampf auszuweichen, wendet sich ab, schlotternd, zitternd und ich bekomme kaum mit, was passiert. Es dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit und als sich der Träger umwendet, liegt die Tätowierte noch am Boden, man kümmert sich um sie. Die anderen schauen nach Verletzungen und schließlich untersuchen die, die noch dazu in der Lage sind, den Raum. Man findet weitere Aufzeichnungen, und wohl eines der Fragmente in einer Truhe. Die Kerzen um die Zeichen am Boden werden ausgepustet und eingesteckt. Ich frage mich, wie lange sie dort schon brennen - und vor allem, wo derjenige ist, der sie angezündet hat.

    Ich würde ihnen am liebsten entgegen brüllen, dass sie dort verschwinden sollen. Auch wenn ich sie nicht mag, ertappe ich mich dabei, wie ich Mitgefühl entwickle, während ich ihnen mittels Magie und meiner Augen und Ohren aus sicherer Entfernung zusehe und fast mitfiebere, als wäre dies nichts anderes als ein Schauspiel zu meiner Unterhaltung.

    Langsam sammeln sie sich, die Tätowierte erwacht und sie machen sich auf den Rückweg, der zum Glück ohne weitere Begegnungen erfolgt. Sie wollen das Portal probieren und ich hoffe, dass es kein Schritt in den Tod sein wird. Einer nach dem anderen tritt hindurch durch den wabernden und instabil wirkenden Riss. Auch der Träger. Dann schwindet meine Kontrolle und ich bin im Unklaren, was danach passiert...

    Aber die Magie und die Verbindung solange aufrecht zu erhalten, hat mich einiges an Kraft gekostet. Ich kann ohnehin nichts tun, also lege ich mich schlafen und versuche, ein anderes Mal in Erfahrung zu bringen, ob diese Gruppe noch lebt.

    8. Monat, Tag 30, im Jahre 18 n.A.

    Ich habe meine Augen und Ohren überall entsendet. Sie krabbeln, kriechen, fliegen, summen, brummen, meine Kinder, meine Spione... Ich finde die Spuren, folge ihnen und entdecke das Lager. Sie haben die Gefangenen in Käfige gesteckt, sie peitschen sie aus. Einen nageln sie ans Kreuz, hiefen ihn hoch und platzieren das Kreuz beim Tor, weit sichtbar, wohl zur Abschreckung, ein sichtbares Zeichen.

    Mit ihren neuen Waffen und Rüstungen patroullieren sie. Ich sehe einige Arbeiter, die an den Wällen arbeiten, sehe sie Plattformen errichten, um besser Wache zu halten. Sie gehen mit eiserner Disziplin vor, unterhalten sich kaum. Jeder weiß, was zu tun ist und sie arbeiten fleissig wie die Ameisen. Es ist mir unheimlich, und ich ziehe mich zurück.


    9. Monat, Tag 04, im Jahre 18 n.A.

    Sie wollen aufbrechen in die verdorbene, tote Stadt inmitten der Wüste. Einer meiner Diener hat sich auf dem Gepäck des Trägers niedergelassen, sich in einer Stofffalte versteckt. Ich sehe Männer und Frauen, darunter die Schuppenfrau, die Einbrecherin, den ersten Wächter des Tempels, eine nordische Frau mit Schlangentätowierungen, vielleicht eine Sklavin? - ich sehe die Priesterin, diesmal sittlich gekleidet, und den Alchemisten aus ihren Reihen.

    Sie sind zum Kampf gewappnet, angeführt von zwei Kriegern in Ganzkörper-Rüstung brechen sie auf, der Träger lauft hinten her. Welch ein Glück, so habe ich alles im Blick, auch wenn die Facetten-Augen die Bilder aufsplitten, verzerren... aber ich bin es gewohnt. - Sie laufen in Richtung der Stadt, ein strammer Marsch, hier und dort höre ich ihr angestrengtes Keuchen, aber sie warten immer wieder, bis die Gruppe aufgeschlossen hat, wenn einige vorlaufen und der Rest nicht mithalten kann. Dann gehen sie erstaunlich gut in Formation näher, als die schwarzen Mauern der Stadt ersichtlich werden. Sie müssen sie umrunden, durch die sandigen Dünen rötlichen Sands, der aussieht, als wäre überall Blut vergossen worden und hätte jedes Sandkorn einzelnd rot gefärbt.

    Das Tempo verlangsamt sich und es dauert, bis der Untergrund wieder so fest wird, dass ein schnelleres Tempo möglich ist. Zwischen den Mauern entdecken sie eine lange Treppe, die hinunter führt, auf die großen Straßen, die nicht mehr den Lebenden gehört, sondern den Toten. Ich sehe sie selbst von hier in der Entfernung herum schlurfen, dazwischen riesige Echsen, die die Stadt für sich vereinnahmt haben. Wäre die Umgebung eine andere, die Situation eine andere, wäre es vielleicht fast witzig, wie die Echsen die Untoten zur Seite schubbsen, als wären die nur Marionetten, die ihnen im Weg stehen.

    Sie gehen die Treppe hinunter und halten sich am Rand der Mauern, weit weg von den Echsen, wohl in der Hoffnung, nicht bemerkt zu werden. Es dämmert schon und sie nutzen das restliche Licht, um sich vorzuarbeiten zu einem von riesigen Säulen gesäumten Eingang, der sie in eines der alten Gebäude führt. Zwischen den großen Säulen machen sie halt, entzünden hier nun doch ihre Fackeln, da die Dunkelheit hereinbricht und mustern die Zeichen an den steinernen Pfeiler, die links und rechts die Decke tragen. Die Schuppige scheint die Zeichen zu untersuchen. Sie sagt, die ganze Umgebung sei von alter, mächtiger Magie durchtränkt, die sogar jedes Sandkorn umfassen würde. - Natürlich, würde ich ihr am liebsten entgegnen. Diese ganze Stadt ist verdorben und korrumpiert. Alleine der Aufenthalt lässt die Seele erzittern, die Nackenhaare sich aufstellen und das Blut in den Adern auskühlen. All die negativen Gefühle, wie Hass, Wut, Verzweiflung, Trauer, Ablehnung... werden verstärkt und fressen sich immer tiefer hinein, wie Narben, die einen entstellen.

    Sie folgen den breiten Pfad hinein, durchschreiten mehrere kleinere und größere Kammern, bis sie schließlich einige Treppen tiefer auf einen großen Raum stoßen, an dessen Wänden sich Meterhoch uralte Regale schmiegen. Diese sind von oben bis unten gefüllt mit hunderten von alten Schriftrollen, bei denen einige schon alleine beim Anblick zu Staub zerfallen, andere so verblasst sind, dass die Zeichen auf ihnen kaum mehr lesbar sind. Fragmente und Fetzen liegen auf dem Boden, herausgerissene Stücke der Papyrii, und überall verteilt Knochen, Schädel, hier und da verrottende Rüstungen, Waffen. Es sieht aus wie auf einem alten Schlachtfeld, wo der Kampf sichtlich um die Herrschaft der Schriften getobt hat.

    Die Gruppe nähert sich einem der hinteren Regale. Hier sei die Priesterin wohl fündig geworden an Fragmenten, die sie zusammen getragen hatte, nun will sie die Fehlenden suchen. Als die Schuppige, die Priesterin und der erste Wächter beginnen, die Schriften zu berühren, zu durchsuchen und zu sortieren, höre ich krachende, klappernde Geräusche, ein Scharren und Schlurfen - und dann bemerken es die anderen auch. Die Knochen erheben sich! Ich zähle 7... nein 8... oh bei Mitra, 9 dieser Skelette, wobei eines größer aussieht, rostige Schulterpolster trägt und eine große Keule. Sie nähern sich und greifen an. Die Gruppe verteilt sich, die Kämpfer schützen die Frauen und den Alchemisten und Tumult bricht aus. Flaschen fliegen, die beim Zerbersten Flüssigkeit verspritzen, die in Flammen aufgeht und alsbald einige der Knochen in sich bewegende Fackeln verwandelt. Hämmer und Keulen krachen auf Knochen, wobei die Wesen keine Mine verziehen und nur an Stöhnen und Zischen erinnernde Laute von sich geben, als sie zum Gegenangriff ansetzen. Der Kampf ist erbittert und heftig. Ich spüre, wie Magie verwendet wird... das große Skelett scheint sich nun gegen die anderen zu wenden. Der Träger kauert sich hinter den anderen zusammen und ich habe Mühe, alles zu überblicken, weil ich primär auf die Rücken der anderen sehe. Der Kampf tobt heftig doch schließlich scheint die Gefahr abgewendet zu sein, dank der guten Vorbereitungen und Kampfkraft der Anwesenden und die Gegner sind nichts weiter mehr als ein zerschmetterter Haufen alter Knochen, die wieder nur leblos auf dem Boden liegen. Alle... bis auf das große Skelett, das nun stumm und still da steht, als würde es Befehle erwarten.


    Die Gruppe widmet sich weiter ihrer Aufgabe. Ich höre Jubel, mal scheint durch Fügung des Schicksals ein oder sogar zwei passende Fragmente gefunden zu haben. Danach verstreicht die Zeit und trotz aller Suche findet sich kein weiterer papierner Schnippsel des gesuchten Textes. Die Gruppe rüstet sich zum Aufbruch. Es gäbe noch einen anderen Ort, wo man fündig werden könnte. Sie verlassen die Halle, zurück bleibt nur die Dunkelheit und staubige Luft - und weitere hunderte an Schriftrollen, die aber nicht den Kriterien der Gruppe zu genügen scheinen.

    Draussen angekommen ist ist es hell, doch man sieht die Anzeichen der nächsten Dämmerung für die Dunkel-Phase. Hell und dunkel scheint rasend Hand in Hand zu gehen, umfasst aber weder Tag noch Nacht. Die Magie innerhalb des Exils scheint selbst die normalen Zyklen von Tag- und Nacht durcheinander zu bringen, sodass es am Tag mehrmals dunkel wird und in der Nacht mehrmals hell. Es verwirrt die Sinne, verwirrt den eigenen Schlaf-Rythmus, aber nach all den Jahren gewöhnt man sich daran.


    <Weiter siehe nächster Post>

    8. Monat, Tag 23, im Jahre 18 n.A.

    Boten vom Tempel sind unterwegs. Überall höre ich ihre Worte... "Höret, ihr braven Leut und Bewunderer der Leidenschaft. Die bezaubernde ..., nun erwählt den Tempel der Derketo zu führen, gibt bekannt, dass am nächsten Badetag ein Fest der Freude veranstaltet werden wird. Ihr alle seid eingeladen diesem Fest beizuwohnen um die Freuden des Lebens und der Sinne mit ihr zu teilen, die Lust zu ergründen, gut zu speisen und den Wein in strömen fließen zu lassen. Zudem wird der Tanz der nackten Schlangen geboten, ein Wettkampf, dessen Sieger eine unvergessliche Nacht mit ... verbringen wird. Gekämpft wird mit den Waffen und Rüstzeug, die uns die Herrin gab, dem wunderbaren nackten Körper und dem scharfen Geist. Kommet zahlreich. Vergesst für einen Tag die Sorgen des Alltags und strömet in die Hallen der Freude. Für eine Nacht wollen wir den Tanz der Freiheit tanzen, befreit von jeglichen Zwängen und Sorgen."

    Ausgerechnet den Namen verstehe ich nicht. Aber es ist die andere, die Zweite... die Nachfolgerin?... Noch eine. Und als ich meine Diener entsende, um mir dieses Fest durch die Augen meiner kleinen Freunde anzusehen, wusste ich, dass ich Recht hatte. - Ich bin wie gefangen von dem Anblick, der sich mir bietet, und doch verkrampft sich mein Herz ob der Liderlichkeiten, die ich sehe. Ich werde unkonzentriert und die Verbindung bricht ab.


    *An anderer Stelle*


    Sie war eher zufällig da. Sie wollte nur die Dolche holen, da sie aber auch immer alles liegen ließ und vergaß.

    Ihr Blick bleibt wie immer eine lange Weile an den wohl inzwischen zu sehr an Menschen gewöhnten, wilden Tiger hängen. An Bastet, wie sie sie nennt. Sie bezweifelt, dass er je wieder frei sein kann, ohne zu große Gefahr zu bedeuten.

    Sie sah zu spät was und wie sie sich vergnügten. Und wäre da nicht die Wache und der Sandsturm gewesen, wäre sie wohl wieder gegangen. Doch er zog sie in den Schutz des Tempels.

    Nach einigen Worten der Begrüßung und des Austausch zeigte man ihr die herrlich Tafel mit den unterschiedlichsten Speisen. Nach einer kurzen Überlegung entschied sie sich, wenigsten den Sand des Sturms aus dem Haar zu spülen und so ging sie hinab. Doch blieb sie nicht lange allein. Bald füllte sich der Raum und sie begann sich etwas unwohl zu fühlen. Sie wollte sich verabschieden, doch wieder blieb sie bei der Wache hängen. Er wirkte viel offener als sonst, sie war irritiert. Sie willigte ein dann noch einen Moment zu bleiben. Es war irgendwie wie ein bisschen Heimat hier.

    Sie hatte sich nie für besonders verschlossen gehalten, doch wenn sie erzählen würde, was sie sah.... Sie war sehr froh, als sie gehen konnte. Auch wenn die anderen bestimmt köstlich lachten, wie sie die nackte Wache hinter sich her in Richtung Wüste zog.


    <weitere Seiten fehlen>

    8. Monat, Tag 28, im Jahre 18 n.A.

    Es ist mitten in der Nacht und ich sehe, wie der südliche Teil von Neu-Asagarth brennt! Ich sehe die Flammen, die von den retgedeckten Dächern nach oben schlagen, sehe den schwarzen Rauch, der sich nach oben kräuselt und im stummen Schrei seine Finger gen Himmel streckt. Die Flammen erhellen die Dunkelheit, die sich über alles gelegt hat. Ich höre Schreie, sehe von oben, als einer meiner Freunde darüber fliegt, wie schwarz gewandte Männer die Siedlung überfallen, plündern, brandschatzen und schlachten. Einige Bewohner werden am Leben gelassen, einige Frauen, einige Männer. Sie werden gefesselt und weggeführt. Die anderen verbleiben dort, wo sie gefallen sind. Blut tränkt die Erde. Ich sehe Leid und Tod. - Die Angreifer machen gute Beute, Waffen, Rüstungen... ich sehe sie Kisten wegtragen. Sie nehmen mit, was sie tragen können und ehe das restliche Asagarth erwacht, sich gesammelt und formiert hat. Die nordischen Krieger greifen an, wollen Rache üben, doch ein Mann tritt zwischen den Plünderern hervor, seine Haut schwarz wie die Nacht. Ich weiß nicht, was er macht, aber selbst hier oben spüre ich die Verderbnis. Die Verteidiger wenden sich um und rennen, rennen, als sei Ymir selber hinter ihnen her. Der Schwarze lacht nur... dann brechen die Angreifer auf, hinaus in die Nacht, und ich verliere sie.

    8. Monat, Tag 11, im Jahre 18 n.A.

    (Text von Amara)

    Stundenlang Wache zu stehen konnte abstumpfen und ermüden, aber die Wachen am Derketotempel waren das ja bereits gewöhnt und geübt darin, aufmerksam zu bleiben, dennoch musste der Mann zweimal hinschauen, um sicher zu gehen, dass das, was er dort zum Ende seiner Wache hin sah, nicht doch ein Trugbild war. Eine Raubkatze, er war sich nicht sicher, aber sie kam ihm irgendwie bekannt vor, zog einen... Körper?... in die Richtung des Tempels. Als sie näher kam, war er sich sicher, das Tier zog definitiv eine Frau hinter sich her, auch wenn es ihr sichtlich schwer fiel, den Körper der Frau zu ziehen.

    Kurz vor dem Tempel sah das Tier auf, schaute zu dem Wächter, gab einen klagenden Ruf von sich und blickte auf die Frau. Die Frau war übel zugerichtet und über und über mit Blut bedeckt, durch ihre rechte Gesichtshälfte zogen sich tiefe blutige und breite Krallenspuren, ähnliche Spuren hatten die Kleidung der Frau zerfetzt und sich tief in das Fleisch des Oberkörpers gegraben.

    Was immer der Frau über den Weg gelaufen war, es musste groß und stark gewesen sein. An den Beinen sah er zahlreiche Klauen und Bissspuren, sie waren kleiner, scheinbar ein Überbleibsel der Katze, die ihre Gefährtin hier her gezogen hatte. Zuerst dachte der Wächter, die Frau sei bereits tot, aber dann hob und senkte sich kurz der zerschundene Brustkorb der Frau, aber viel Leben steckte sicherlich nicht mehr in ihr. Fast zeitgleich sah er, wie die Katze, deren Fell vollständig durchnässt war, obwohl es nicht geregnet hatte, neben der Frau zusammenbrach und sie nicht einmal mehr die Kraft hatte, den Kopf zu heben, um den Wächter noch ein letztes Mal anzusehen. Dann lagen beide, die Frau und die Katze still und regten sich nicht mehr.

    8. Monat, Tag 12, im Jahre 18 n.A.

    Der Cimmerier und seine Sklavin suchen den Tempel auf. Er ist gerüstet, gibt zwar seine Sachen ab, aber mit seinen Muskeln braucht er keine Waffe, um jemanden unschädlich zu machen oder schlimmeres. Die beiden wollen mit dem Khitai, der meist nicht von der Seite der Priesterin weicht, wenn diese verfügbar ist, und der Priesterin selber sprechen. Auch die Alkolythin ist dort, trägt aber nicht viel zum sich langsam entwickelnden Gespräch bei, dafür scheint sie zu betrunken zu sein, räkelt sich nur auf dem Boden.

    Ich höre den Namen, der immer wieder fällt... den Namen des Dämons. Meine Augen und Ohren näheren sich langsam. Als Vertrauensbeweis solle die Priesterin alleine das Lager des Cimmeriers aufsuchen. Sie zögert, mittlerweile wieder blutend, der Khitai protestiert und der Cimmerier kündigt einen weiteren Besuch an, sollte sie nicht von alleine kommen.


    -Andernorts-

    Der Zimmermann liegt noch eine Weile wach. Eine Khitai war in den letzten Tagen gekommen, hatte ihm geholfen, sodass seine Schulter wieder beweglich ist und er den Arm nutzen kann. Schwere Träume plagen ihn. Stimmen, Schatten, Fieberträume. Doch er wird versorgt, die Dienerinnen des Mitra-Tempels helfen, gute Seelen, der angehende Mitra-Priester, der ihm eine seltsame Suppe gegeben hat.

    Es sieht gut aus... der Zimmermann ist geschwächt, aber er wird es wohl überleben.

    8. Monat, Tag 13, im Jahre 18 n.A.

    Die Priesterin der liederlichen Lust sieht sichtlich abgemagert aus. Man sieht ihre Rippenbögen und die anderen im Tempel scheinen sie nun gezielt mit honiggetränkten Speisen wieder aufpäppeln zu wollen. Sollen sie die Konkubine einfach verrecken lassen, das Exil wäre so viel besser dran.

    Ach, mein pelziger Freund, vielleicht sollte ich irgendwann dafür sorgen, dass sie einen kleinen Unfall hat? Wenn sich dutzende und dutzende meiner Augen und Ohren auf sie stürzen... Aber ich habe so lange nicht eingegriffen, immer nur beobachtet... ich würde sichtbar werden, müsste mich der Welt zeigen... aber wäre es nicht besser...? Was denkst du? Soll ich?

    Sie schreibt eine Notiz, verlässt den Tempel mit dem Jäger zusammen. Ja, versuch zu fliehen... ich finde dich... ich beobachte dich... Möge Mitra ein gerechtes Urteil über dich fällen, Hexe...



    <einige Seiten aus den Aufzeichnungen scheinen zu fehlen>

    8. Monat, Tag 09, im Jahre 18 n.A.

    Ich bin in einem abgedunkelten Raum. Fackeln brennen an den Wänden. Vier Stühle sind aufgestellt, drei stehen dem einen gegenüber. Darauf sitzt eine Frau, die Schlangenschuppen trägt. Ihr gegenüber sitzt ein Cimmerier, eine Khitai und die Sklavin, die dem Tempel entkommen ist. Sie reichen der Schuppigen einen Trank, den diese herunterwürgt. Dann stellen sie ihr Fragen.

    Die andere scheint gezwungen zu sein, diese zu beantworten. Ich sehe den Widerwillen in ihrem Gesicht. Aber ich höre nichts. Die Ohren dieses Spions sind taub. Verdammtes Ungeziefer! Aber es ist zu spät, wenn ich eine neue Verbindung aufbaue, ist das Gespräch vorbei.

    Die Fackeln beginnen zu erlöschen, erst eine nach der anderen, dann Schlag auf Schlag. Der Stuhl der Schuppigen fliegt gegen die Wand, zerprallt. Der Cimmerier zückt seine Axt. Die Khitai ruft etwas, die Sklavin verschwindet, kommt mit einem Beutel wieder, verstreut etwas weißes auf dem Boden. Ein Kreis. Ein Schutzkreis?

    Etwas passiert, aber ich bekomme es nicht richtig mit. Die Fragen gehen weiter... der Kreis verwirbelt... bildet ... Zeichen? Die Zeichen gehen in Flammen auf... aber nichts anderes brennt. Dann flammen die Fackeln wieder auf, brennen heller... grell... Und erst nach und nach normalisiert sich wieder alles. Die letzten Fragen werden gestellt. Was hatte dieser Spuk zu bedeuten?

    -Andernorts-

    An anderer Stelle sehe ich durch Zufall, wie der blonde Hüne gegen den Zimmermann aus dem Dorf kämpft. Er hat keine Chance, geht zu Boden und wird doch zum Dorf geschleift. Ich versuche, mehr zu erfahren, will näher heran, doch die aufkommende Brise ist zu stark. Die Flügel meines Spiones sind nicht flink genug... Ich muss meine Kräfte sammeln. Vielleicht erfahre ich morgen mehr?

    8. Monat, Tag 10, im Jahre 18 n.A.

    Ich sehe eine Frau an einem Bett. Der Zimmermann liegt darauf. Schweiß glitzert auf seiner Stirn. Die Frau sackt auf den Hocker zusammen, schluchzt, erhebt sich später, geht zum Altar im Mitra-Tempel, beginnt zu beten. Später setzt sie sich wieder zu ihm, greift nach seiner Hand, wartet.


    Derweil hat ein Bote das Dorf verlassen, in Richtung des Dschungels.

    8. Monat, Tag 06, im Jahre 18 n.A.

    Ich habe die Burg des Blonden gefunden, oder vielmehr meine Augen und Ohren, die ich entsenden kann. Vor dem Eingang sehe ich mehrere Gestalten, unter anderem den Commerier, den glatzköpfigen Stygier, Leute aus dem Dorf, die Schwester der Khitai. Ein kleiner Lynchmob... oder Befreiungstrupp, je nachdem, wie man es sehen mag. Ich verstehe kaum, was sie alle rufen und reden, muss mehr interpretieren, die Kontrolle über meinen kleinen Diener ist zu schwach, um es besser zu verstehen.

    Keine Seite scheint wirklich nachzugeben, ich höre Wortfetzen, dass der Blonde droht, die Khitai stückchenweise von der Mauer zu werfen... es eskaliert mehr und mehr. Dann knallt es laut, ich weiß nicht, woher... wieso... der Eingang ist frei... Tumult... die Schwester wird befreit, der Blonde kann fliehen.

    Kurz danach steigt Rauch auf im Norden, der sich quälend schwarz in den Himmel erstreckt wie ein mahnender Finger. Im Exil gibt es kein Recht... keine Gerechtigkeit... und es gilt nur das Gesetz der Stärke...

    8. Monat, Tag 07, im Jahre 18 n.A.

    Der Hüne, der aus seiner Burg hatte fliehen können, kommt in den Tempel, trifft die Priesterin an und den Jäger, der oft an der Seite der Priesterin ist. Er tigert um die beiden, scheint sich aussprechen zu wollen, schimpft, flucht, droht allem und jeden. Beruhigend versucht die Priesterin auf ihn einzureden.


    Ich höre nur den Klang ihrer Stimme, aber verstehe die Worte nicht. Der Gesichtsausdruck des Blonden, den ich durch die Facetten der Augenpaare meines kleinen "Spiones" sehe, wirkt verzerrt. Er sieht nicht glücklich aus. Ich denke, er sinnt auf Rache. Er scheint keine Hilfe einzufordern, scheint sich nur aussprechen zu wollen, als ob er Publikum bräuchte, um die Absichten, die er äußert, so wirksam zu machen, als würde er sich selber und den anderen etwas schwören.


    Schließlich wendet er sich ab und geht, hinterlässt verwunderte - und zweifelnde - Gesichter.

    7. Monat, Tag 29, im Jahre 18 n.A.

    Sie kehrt zurück, verletzt, verwundet, verschrammt. Sie versucht die Schwere zu verbergen, was ihr teilweise klappt. Der Khitai will sich um sie kümmern, doch die andere, die ihm nah war, versetzt er dafür. Die Frau steht auf, frisch der Sklaverei entkommen, erkundet den Tempel und dringt in Räume vor, die nicht für ihre Augen bestimmt sind.

    Sie wird erwischt, als die Herrin des Ortes den anderen Bericht erstatten will ... und wer weiß welche finsteren Riten sie noch plant dort unten... Die andere... sie verliert ihre Freiheit schon wieder, wird in eine der Zellen gesperrt.

    Das einzige, was meine winzigen Ohren hören, ist: "Hier unten gibt es keine Regeln..."

    8. Monat, Tag 02, im Jahre 18 n.A.

    Meine Augen und Ohren sind überall. So bekomme ich auch mit, dass zwei stygische Wachen die Gefangene zu Roklak bringen. Es scheint ihr gut zu gehen. Der Anführer scheint dankbar, bietet ihnen Speis und Trank an, redet dann mit weiteren Gästen, die eintrudeln.

    Die Khitai und er reden über einen Vorfall beim Markt... die Zurückgebrachte war mit einem Aufpasser zum Markt gegangen, doch der Aufpasser wurde von einem anderen Khitai getötet, der in ihm den Folterknecht seiner Bunds-Schwester nach einem Hinweis erkannte.

    Ein Kampf entbrannte, die Vertreterin des neuen Markthändlers griff ein, die Marktwache ebenso... doch beide wurden von dem Zorn des Khitai auf den Folterknecht getroffen und niedergeschlagen, während jener seinen Kopf verlor. In dem Getümmel nutzte die Sklavin die Chance und floh...

    Und doch nutzte es ihr nichts, denn hier steht sie, hört dem Gespräch zu... der Anführer und die Khitai reden lauter miteinander, energischer, dann geht sie, sichtlich wütend. Meine Augen und Ohren sind abgelenkt, ich verstehe nicht alles, versuche die Kontrolle zu verstärken und sie näher zu entsenden als die, die vom Priester und dem Folterknecht gefoltert wurde, selber erscheint... Es geht um einen Handel, mein Diener krabbelt näher... dann sehe ich einen riesigen Schatten über mir. KNIRSCH... Die Kontrolle endet - genauso wie das Leben meines kleinen Freundes, unbemerkt.

    8. Monat, Tag 05, im Jahre 18 n.A.

    Summend fliegen meine Augen vor dem Eingang des Tempels in der Luft. Ich sehe den blonden Hühnen, nur ohne seine Rüstung. Er ist dort, um die Sache zu regeln, die viele Tage zuvor schief gelaufen war. Er fordert Entschädigung und eine Entschuldigung. Die Tempelherrin zahlt ihm seine Forderung, nachdem sie seinen Worten zuhört und es vollbringt, ihn mit Worten zu besänftigen.

    Vermutlich wäre der Vorfall langweilig... wäre nicht kurz danach eine der Khitai Zwillinge gekommen.
    Ich kann sie nicht auseinander halten. Der Blonde bezichtigt sie, an dem besagten Tag dort gewesen zu sein... fordert von ihr eine Entschuldigung doch die Khitai leugnet. Der Wachmann, der Zeuge war, bestätigt ihre Anwesenheit bei dem Vorfall und die Tempelherrin übersetzt. Eine weitere Frau ist dort, mit blanken Brüsten. Sie geht in den Tempel, als der Blonde zu seinen Waffen greift - vor dem Tempel. Die Khitai steht an der Schwelle und es scheint, als sei sie sich sicher, dass die Wachen sie beschützen würden. Sie geht nicht auf die Forderungen ein, nicht auf die Drohung und ein Konflikt wird unausweichlich.
    Ich bin erstaunt, als meine fliegenden Ohren die Worte der Priesterin vernehmen. Sie spricht von neutralem Gebiet, dass Konflikte nicht hinein getragen werden sollen und sie niemandem Schutz bietet, der in einem Konflikt, der nichts mit dem Tempel zu tun hat, verwickelt ist. Sie verweigert ihr Zuflucht, da sie sich sonst auf eine Seite schlagen würde. Doch da sich der Ort des Konfliktes nicht zu ändern scheint... befielt sie der Wache, sich zurück zu ziehen, zieht die Schwelle der Neutralität bis zu den Türen zurück und schließt diese. Nicht ihr Konflikt... Aber eine Gefahr für die Neutralität des Ortes.
    Die Khitai versucht, an das Gewissen der Priesterin zu appelieren, wer sie denn geheilt und ihr geholfen hätte... aber die Priesterin scheint das nicht gelten zu lassen.
    Die beiden Kontrahenden... ziehen sich dann tatsächlich zurück, weg von der Schwelle. Eine Brise kommt auf, weht meine Augen und Ohren weg und es dauert, bis das Tierchen wieder an Ort und Stelle ist, dass es mir nützlich ist. Die Khitai scheint niedergeschlagen und bewusstlos und der Blonde richtet Worte an die Wache, die auf dem Dach verharrt, beobachtend, aber neutral. Man solle der Schwester etwas ausrichten, er fordert Münzen zur Auslöse... und höhnt, wenn dem Tempel etwas an der Khitai läge, sollten sie etwas zur Verfügung stellen, damit er sie nicht an den Haaren nackt durch die Wüste schleifen müsse.
    Die Wache scheint zu überlegen, wie die Neutralität am Besten gewahrt bleibt, entscheidet sich dann, dem Mann eine improvisierte Trage zu übergeben, nicht, um ihm zu helfen, sondern tatsächlich, um der Frau weiteres Leid zu ersparen. Die Kleidung der Frau wird übergeben, als Teil der Botschaft und kurz scheint es, als sei der Blonde bereit, schon vor Ort der Khitai ein Ohr abzuschneiden. Doch der Wachmann bringt den Hühnen davon ab, ist erleichtert, als der Blonde geht. Er weiß, dass seine Herrin das ausbaden muss und den Zorn der Khitai auf sich zieht.
    An einem Ort wie diesen ist es schwer, neutral zu sein...