Cordylia - Schatten des vergessens

  • Prolog


    Es ist schon recht spät, an einem Nebenarm des Styx Nähe der Hafenstadt Kehmi, sitzen zwei Frauen vor einer kleinen Hütte, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Sie schauen auf das sich durch die Dämmerung rötlich färbende Wasser und trinken aus Krügen Gewürzwein.

    Wir haben lange nicht mehr so einen Abend verbracht, Ich hebe meinen Krug und proste Avina zu. Das stimmt seit dem du deine Heimat aus meiner Taverne hier nach außerhalb von Khemi verlegt hast, ist das alles schwieriger geworden. Avina prostet mir zurück. Sie schaut mich auf einmal durchdringend an, du hast mir nie von deiner Vergangenheit erzählt. Das kann ich nicht, meine Erinnerungen reichen nur bis zu dem Tag als ich hier in Khemi mit dem chimerischen Handelsschiff ankam. Ich nehme einen letzten Schlug und leere den Krug, Ich werde jetzt schlafen gehen. Ich muss morgen auf die Jagt, meine Vorräte sind fast aufgebraucht, Du kannst heute hier bleiben. Der Weg nach Khemi zurück ist um die Uhrzeit zu gefährlich. Avenia nickt mir zu und geht in die Hütte. Ich schaue gedankenverloren in das immer dunkler werdende Wasser, Ich bin jetzt wohl so knapp 30 Jahre alt, es ist jetzt schon 12 Jahre her das ich meinen ersten Fuß auf die Erde dieser verwünschten Stadt gesetzt habe. Ich stehe auf und folge ihr in die Hütte. Ich konnte nicht wissen, dass es unser letzter Abend sein sollte.

  • 1. Ein zweites Leben beginnt.


    …Die Luft die mir beim Verlassen des Schiffes entgegnen schlug war fremdartig, Moder und Gewürze die mir nicht bekannt waren schlugen mir entgegen. Warum war ich hier ausgerechnet in Kehmi ? Und das alleine im Alter von 19 Jahren. Ich irrte den ganzen Tag durch die Hafenstrassen ohne wirklich ein Ziel zu haben. Ich muss mir langsam einen Unterschlupf suchen. Am Ende eine Gasse sehe ich eine Taverne. Auf dem Schild, welches die Form eines kleinen Bootes mit Fährmann hat steht Charon. „ Der Fährmann der toten „ denke ich skeptisch, aber eine bessere Wahl als auf der Straße zu schlafen.

    Ich betrete die Taverne, ein halbes Dutzend Augenpaare sind auf mich gerichtet. Ich gehe durch den Raum und setzte mich in eine dunkle Ecke. Alle Besucher haben sich schon wieder abgewandt, nur ein verdreckt aussehender großer dicker man fixiert mich weiter. Als ich ihn ansehe schaut er schnell weg. Hinter der Bar steht eine Rot haarige Frau. Ich schätze sie auf ungefähr 30 Jahre. Es ist aber schwer zu sagen, Ihr Gesicht erzählt Geschichten von schlechteren Tagen. Sie kommt an meinen Tisch, Ich frage nach einem Zimmer, Nein Zimmer habe ich nicht antwortet sie. Ich bestelle Wein und Schmalzbrot. Sie geht in einen hinteren Raum. Der Mann der mich so fixiert hat, leert seinen Krug, steht auf, und kommt wankend auf mich zu. Er baut sich vor mich auf, lallt und will nach mir greifen. Auf einmal verstummt er und seine Augen weiten sich, ich sehe wie von hinten eine Hand mit Dolch sich um seinen Hals windet und die spitze leicht gegen seinen Kehlkopf drückt. Durch einen kleinen Schnitt sickert Blut. „Ich glaube du hast genug für heute, zahle und geh heim zu deiner Frau, und ich denke für die nächste Zeit suchst du dir einen anderen Ort um dich zu betrinken. Hastig kramt er 3 Münzen hervor, legt sie auf den Tisch und verschwindet schnell stolpernd aus dem Raum. Hinter ihm stand die Frau vom Tresen, in der einen Hand den Dolch und in der anderen meine Bestellung. Sie stellte das Essen vor mir ab und ging wortlos zurück hinter den Tresen. Ich saß lange noch da, der Schankraum war mittlerweile leer. Die Frau kommt auf mich zu und setzt sich an meinen Tisch. Ich schließe jetzt sagt sie zu mir. Ich seufze. Ich bezahle und stehe auf. Als ich die Tür öffnen will… Warte du kannst heute in der kleinen Kammer unter dem Dach bleiben, aber morgen musst du dir was anderes suchen. Wie ist dein Name? Cordylia, antworte ich. Hallo Cordylia ich heiße Avenia. Du kommst nicht von hier ? Nein, Ich bin heute mit einem Schiff aus Cimmerien angekommen, antworte ich. Wir reden die ganze Nacht. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Ich erfuhr das es ihre Taverne ist, die sie von ihrem Vater geerbt hatte. Am nächsten Tag half ich ihr bei allem was anfiel. Und ich blieb… 3 Jahre.

    Ich merke wie ich von ihr und der Arbeit dort lernte selbstbewusst du sein. Und schon Bald wagte es keine mehr mich in irgendeiner Weise zu belästigen. Ich merkte aber auch wie mich das Stadtleben auffraß. Ich liebe eher die Einsamkeit, also beschloss ich mir eine kleine Hütte zu kaufen, und mein Leben als Jäger und Sammler zu bestreiten. Schon bald waren meine Waren recht beliebt auf dem kleinen Markt in Kehmi. Auch die Wachen der am Markt ansässigen Kaserne gehörten zu meinen Käufern, Aus diesem Grund konnte ich auch meisten ohne Probleme meine Wahren verkaufen, Oft wurden die fremden Händler von den Wachen ausgenommen. Aber trotzdem war grade mal so viel da, dass ich überleben konnte. All die Zeit über waren Avenia und ich immer noch gut befreundet und wir besuchten uns regelmäßig. Bis zum heutigen Tage.

  • 2. Ein zweites Leben endet.


    Ich habe geschlossen schreit Avenia dem wie verrückt gegen die Tür schlagen entgegen. Ohne Erfolg. Sie geht zur Tür und öffnet. Vor ihr steht ein Fremder Mann und überreicht ihr schweigend einen Brief. Sie schließt wieder, setzt sich an den Tisch in der Ecke und beginnt zu lesen.


    Morgen ist es nun soweit...

    Morgen soll ich in der Wildnis mir selbst überlassen werden. Ich schreibe diese Zeilen in der Hoffnung dass sie dich erreichen, Ich habe bis jetzt nicht über die Vorkommnisse gesprochen die mich hier her, und in diese Lage gebracht haben. Es wird eh keiner glauben... Naja ich bin mir selber nicht Sicher ob ich es glauben kann.

    Du warst schon nach unserem letzten Treffen morgens aufgebrochen, als ich erwachte und mich auf die Jagt machte…

    Was soll ich sagen es war kein guter Tag, bis auf 2 kleine Kaninchen war nichts zu fangen. Das schlechte Wetter der letzten Zeit tat sein Übriges und so ist auch die Kräuter und Beerensuche ebenfalls eher spärlich ausgefallen. Ich machte mich auf den Weg zum Marktplatz von Khemi um zu versuchen meine spärliche Beute unter die Leute zu bringen. Es ist schon spät und bald werden die Händler weg sein ich muss mich beeilen, denn nur frische Ware ist was Wert. Also nehme ich die Abkürzungen durch die dunklen Gassen unten am Hafen. Ich weiß was du jetzt denkst, wie oft hast du mich vor diesen Gassen gewarnt... aber was soll ich machen? In einer dieser Gassen tritt eine Frau in schwarzer Robe aus dem Schatten. War Sie eben auch schon da ? Eigenartig ich hätte sie vorher schon sehen müssen. Sie sprach mich an, ob ich mir nicht was verdienen möchte...

    Sieht man mir meine Not so sehr an?

    Ich fragte was für Dienste sie benötige. Ein kleinen Botendienst meinte sie. Dieser kleine Beutel müsse in die Kaserne am östlichen Ende des Marktes gebracht werden. Ich solle 20 Silberlinge dafür erhalten, 10 jetzt und die anderen 10 bei Ablieferung. Ich konnte mein Glück nicht fassen, das liegt auf dem Weg nur ein kleiner Umweg. Ich willigte ein und nahm die Anzahlung und den Beutel, dieser war merkwürdig schwer für diese kleine Größe, nicht grösser als ein Münzbeutel. Dort drinnen war etwas von komischer Konsistenz nicht flüssig nicht fest ich kann es nicht beschreiben. Der Beutel war mit einem Siegel in Form einer auf dem Kopf stehenden Pyramide verschlossen. Die Frau übergab mir eine ebenfalls versiegelte Notiz die ich mit dem Beutel bei dem Oberdiensthabenden in der Kaserne abgeben sollte. Beim übergeben der zwei Gegenstände berührte mich die Frau am Arm, sie zuckte zusammen, riss die Augen auf und murmelte… Das kann nicht sein… Sie verschwand wieder in den Schatten der Gasse, Komisch ich kann mich jetzt schon nicht mehr an ihr Gesicht erinnern.

    Ich machte mich weiter auf den Weg denn es war schon spät. Den ganzen Weg zum Markt dachte ich über die Worte der Frau nach. Ich trat in die Kaserne ein und wurde sogleich von einem guten Dutzend Wachen beäugt. In einer der hinteren Zellen saß eine Gestalt in einer schwarzen Robe. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Der Wachhabende trat aufgeregt auf mich zu … Wir brauchen heute nichts von dir, gleich kommt ein Gefangentransport um einen Gefangenen zu holen. Mach dass du weg kommst. Ich hielt den Beutel in der Hand und übergab die Schriftrolle. Der Wachhabende brach das Siegel der Schriftrolle...

    In diesem Moment zerfaserte der Beutel in meiner Hand. Etwas schwarzes waberndes lief über meine Hand, perlte aber von ihr ab, als würde dieser schwarze Nebel irgendwie vor mir Weichen. Schwärze umgibt meinen Blick und ich sacke zusammen, bevor sich der Schleier senkt, sehe ich noch wie sich der schwarze Nebel auf die erschrockenen Wachen zubewegt. Ich komme leicht benommen zu mir, ich liege am Boden, Kampf Geräusche. Wie durch dicken Nebel blicke ich auf, schemenhaft sehe ich die Wachen untereinander Kämpfen. Einige haben sich verändert, ihre Augen und Münder sind nur schwarze schwelende Löcher. Es wird wieder Dunkel um mich rum, Ich spüre wie der Mann in schwarzer Robe sich über mich beugt. Ich höre seine Stimme… Hat das alte Weib es also doch getan…Ich starre auf die alte Narbe, einer auf dem Kopf stehende Pyramide auf seiner Wange. Dann wird es dunkel…

    Wegen dieser Vorkommnisse sitze ich jetzt seit mehreren Monden hier im dunklen Keller eingesperrt und warte auf meine Hinrichtung. Necromantie, Mord von Wachen und Hilfe bei der Flucht eines Gefangen ist das was man mir zur Last wirft.

    Seit diesem Tag habe ich immer wieder Träume die aus meine Zeit vor Kehmi zu sein scheinen. Mein Nacken schmerzt. Ich hatte sie ganz vergessen, die Narbe in Form einer aufrecht stehenden Pyramide in meinem Nacken. Ich verdecke sie wieder mit meinen Haaren, ich habe sie mein ganzen Leben lang und nie hat sie geschmerzt.

    Ob ich Angst vor Morgen habe ? Ja das habe ich. Was man so von den Gefangenen hört macht einen aber leichte Hoffnung. Es soll doch eine schwindend geringe Möglichkeit bestehen dem Kreuz zu entkommen und im Exil zu leben. Es soll sogar eine " Zuflucht" geben, die bei Einbringen in die Gemeinschaft einem Sicherheit bietet. Auch wenn ich bisher eher eine Einsiedlerin in einem fremden Land war, so weiß ich im Moment nicht, ob dies nicht eine erstrebenswerte Zukunft darstellt. Wenn ich denn Überleben sollte, werde ich mich auf die Suche dieser Zuflucht machen.

    Ich hoffe dass ich dir weitere Briefe aus dem Exil zukommen lassen kann...


    Das Mitra mir helfe...


    Cordylia

  • 3. Alles fügt sich zusammen


    Ob mich jemand befreit hat, oder ich einfach nur stümperhaft an das Kreuz gebunden wurde weiß ich nicht. Jedenfalls bin ich vor ca. 10 Nächten im Sand vor meinem Kreuz erwacht. Diese 10 Tage waren die härtesten meines Lebens jetzt kauere ich 2 Tage schon verletzt in dieser Felsspalte und traue mich nicht mehr heraus, nach dem Angriff dieser Großen Schildkrötenechse. Ich schlafe schlecht, ich habe immer wieder zwei wiederkehrende Träume die jedes Mal klarer werden wenn ich sie Träume…


    Ich denke ich bin nicht älter als 14 Jahre, ich stehe vor einen Mitra Tempel und trete ein. Ich darf nicht hier sein also schleiche ich in den Schatten bis zum Altar. Dort steht die alte Priesterin mit einem Mann in schwarzer Robe. Die beiden streiten „ Ich brauche Sie zur rechten Zeit in Kehmi und ihr werdet dafür Sorge tragen oder ihr werdet es bereuen.“ Höre ich den Mann zischen. Die Priesterin nickt nur. Der Mann dreht sich um und geht zum Tor. Er bleibt für einen Moment stehen und schaut in meine Richtung. Auf seinem Gesicht schimmert im Fackellicht eine Narbe in Form einer auf dem Kopf stehenden Pyramide. Er wendet sich ab und verlässt den Tempel. Aus einem Schatten am Altar tritt eine junge Frau mit blauer Bemalung im Gesicht und zwei Dolchen am Gürtel. Die Priesterin schaut sie sorgenvoll an. „ Ihr müsst mit der Ausbildung anfangen wir haben nicht viel Zeit „ Die junge Frau nickt und geht in Richtung Tor. Bevor sie das Tor öffnet dreht sie in meine Richtung und sagt „Du bist gemeint, Komm mit mir „ und öffnet das Tor…

    Kann das sein ? Der selbe Mann Jahre vorher ? Der zweite Traum ist weniger Kryptisch lässt aber immer noch viel unbeantwortet.


    Ich schätze ich bin so 18 Jahre alt. Es ist Nacht. Ich stehe im Schatten eines Hauses und beobachte eine Wache. Auf der Brust prangt das Mal der roten Hand. Bin ich in Tortage ? Wie komme ich hierher? Ich schleiche auf die Wache zu, als er sich von mir abwendet. Die zwei Dolche dringen ganz leicht in seinen Hals, langsam lasse ich ihn zu Boden gleiten. Ich nehme einen Umschlag aus seiner Tasche und verschwinde in eine Gasse. Ich lehne mich an eine Wand und atme schwer. Die Frau mit der blauen Bemalung und den Dolchen gleitet aus den Schatten. Wortlos übergebe ich den Umschlag. Ungeöffnet zerknüllt sie ihn und wirft ihn zu Boden. „ Das war deine letzte Prüfung. Es wird Zeit für dich. Wir werden alles für deine Reisen vorbereiten. Du musst vorher noch zur Priesterin für die Symbol weihe… Deine Zeit des Vergessenes ist gekommen…


    Ich weiß jetzt immer noch nicht viel mehr über mein altes Leben, aber zumindest mein Körper scheint sich nach und nach zu Erinnern. Ich habe die letzten Tage schon das Gefühl gehabt das ich erstaunlich schnell lerne mich hier zu Verteidigen. Und als nächstes ist diese Schildkrötenechse dran. Mit neuem Mut krieche ich aus der Felsspalte. Ich werde mich mit dieser neuen Welt abfinden müssen und mein altes Leben, so unbekannt es ist hinter mir lassen.


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